This is America - People and Places
Donnerstag, 21. November 2019
Abflug und Ankunft
Mittwoch, 20.11. und Donnerstag, 21.11.
Um acht standen wir auf. Unser übriges Essen ließen wir hier, viel war es nicht. Beim finalen Packen tauchten immer noch Sachen auf, die untergebracht werden wollten. Wir hatten ein zusätzliches Gepäckstück mit Verpflegung für den Tag. Ich zog mir so viele Sachen an, dass mir ständig zu warm wurde. Aber in den Koffern wäre auch wirklich kein Platz mehr gewesen. Wir verstauten alles im Auto, und um elf verabschiedeten wir uns. Auf dem Weg zum Flughafen tankte ich noch mal für zehn Dollar, das passte dann auch. Die Abgabe des Mietwagens ging blitzschnell. Kaum hatten wir unser Zeug ausgeladen, war auch schon jemand da, der das Auto kurz checkte und uns eine Quittung in die Hand drückte. Ich konnte gerade noch schnell den Meilenstand abfotografieren. Es lagen noch einige leere Plastiktüten im Auto, überhaupt hatte sich sichtbar Dreck angesammelt ... Aber zumindest hatte es weder eine Delle noch einen Kratzer. Einen kleinen Steinschlag fuhren wir seit der Fahrt von Tucson nach White Sands mit uns herum, aber den hatte der Prüfer nicht bemerkt. War ja ohnehin voll versichert. Nur Reifen sind immer außen vor. Unsere waren nur abgefahren. Der nächste Ölwechsel dürfte auch bald fällig sein. Aber das ging uns nun alles nichts mehr an. Wir stapften zum Shuttle-Bus und fuhren zum Terminal 1. Um zwölf waren wir an den Lufthansaschaltern, es wurden noch die Anstellaufsteller arrangiert, um eins öffnete man dort erst. Wir aßen und tranken ein bisschen, dann stellten wir uns an. Die Schlange war lang, doch es ging recht flott voran. Mein Koffer wurde dort mit 23,4, Helenes mit 20,8 Kilogramm gewogen und so durchgewinkt. Handgepäck wurde nur überprüft, wenn es sich um kleine Koffer handelte, unsere Rucksäcke blieben ungeprüft. Meiner war ziemlich schwer und knackevoll. Auch bei der Sicherheitskontrolle flutschte es ganz gut. Ich fiel wieder durch nichts auf – Bann offenbar gebrochen! Beinahe hätte ich aber mein Handyladekabel noch in der Brusttasche gehabt. Zwei Stunden vor dem Boarding, das für 15:40 anberaumt war, trafen wir bereits am Gate ein. Das hatte immerhin den Vorteil, dass wir Sitzplätze an Steckdosen ergattern konnten. Im Flieger saßen wir, wohl weil wir nicht vorab online eingecheckt hatten wie die meisten, voneinander getrennt, in der gleichen Reihe, aber mit drei Leuten und einem Gang zwischen uns, was uns aber nicht weiter störte. 16:10 Uhr Ortszeit verließen wir planmäßig das Gate. Etwa acht Stunden im Flugzeug lagen vor uns. Mit dem Schlafen klappte es nicht so recht, lag wohl daran, dass wir 0:15 nach Chicagoer Zeit in Frankfurt aufsetzten, da hatte man uns von Lufthansa aber bereits Frühstück serviert. Denn es war 7:15 nach deutscher Zeit. Wenig später waren wir am Gate, es folgte das übliche Procedere. In Frankfurt sollte es 8:45 weitergehen, 8:15 war Boarding für den Flug nach Berlin-Tegel. Ausreichend Zeit zum Umsteigen, aber nicht zu viel. Wir hingen tüchtig durch, und das sollte sich für den Rest des Tages auch nicht mehr ändern. Der kurze Flug in die Hauptstadt, wir saßen nun hintereinander, auf einem Mittelsitz wieder, war im Nu vorbei. Kurz vor zehn landeten wir. Es dauerte lange, bis wir aus der Maschine herauskamen, weil wir hinten saßen. Unsere Koffer hatten wir dann aber fix. Bei meinem brach im Moment des Vom-Band-Nehmens der Griff ab, und eine Rolle war auch beschädigt und tat sich schwer – war wohl seine letzte Reise. Freudig nahmen wir Peter in die Arme, der uns ebenso erfreut in Empfang nahm. Durch trübgraue, aber trockene Berliner Luft zuckelten wir zu seinem Fiat 500C Spiaggina – ich erwähne die Marke, weil das ein sehr kleines Auto ist. Er wollte partout nicht mit meinem fahren. Ein Koffer wurde in den Kofferraum gequetscht, einer stand neben Helene auf dem Rücksitz, mein Handgepäckrucksack davor. So passten wir hinein. Erinnerte ein wenig an früher, das Sitzgefühl. Durch viele Baustellen auf der A115 in Berlin plus die üblichen und einer Tagesbaustelle auf der A9 rollten wir heimwärts. Unterwegs regnete es. Ich nickte immer mal wieder für Sekunden weg. 12:45 kamen wir zu Hause an, wo wir nun endlich wieder (fast) vollständig sind. (Unsere Kleine sehen wir hier wohl vor Weihnachten nicht wieder.) Helene schläft jetzt, ich wollte das auch gleich, war aber zunächst zu aufgekratzt. Ein Nickerchen habe ich mittlerweile gemacht, das Ankommen im heimischen Alltag wird aber wohl einige Zeit dauern.

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Mittwoch, 20. November 2019
Novembertag in Chicago
Dienstag, 19.11.
Nach dem Frühstück und einem Schwatz mit unserem Gastgeber widmeten wir uns dem Packen. Ich begann mit meinem Handgepäck, dann kam der Koffer dran. Ein paar kleine schwere Sachen übernahm Helene von mir, die zwar keinen Platz im Koffer übrig hatte, aber Gewicht. Wir werden alles wegbekommen. Das Auto ist jetzt hoffentlich auch wirklich komplett leer. Ich parkte es auch um an den Hintereingang. Das Zelt, das ich heute erstmals wieder ordentlich verstaute, wollte ich hier lassen. Mir schwebte vor, es einem Obdachlosen zukommen zu lassen. Wir waren für um vier mit Jim im Stadtzentrum verabredet, der meinte, dort seien leicht welche zu finden. Da wir aber dann doch nicht so lange zum Packen brauchten, wie ich befürchtet hatte, blieb noch reichlich Zeit bis dahin. Auf Empfehlung von John und Peggy hin fuhren wir zum Garfield Conservatory. Das ist ein Gewächshaus in einem nahegelegenen Park, das man kostenlos besuchen kann – angesichts des nasskalten Wetters nicht die schlechteste Idee, fanden wir. Und wir bereuten es nicht. Das Gewächshaus umfasste mehrere thematische Räume, und jeder einzelne bot eine enorme Vielfalt an außergewöhnlichen Pflanzen. Wir jedenfalls waren beeindruckt und schossen dort Unmengen an Fotos. Fast anderthalb Stunden schlenderten wir dort herum. Anschließend kauften wir noch einmal ein, aßen zum Lunch Banane und Muffin, ruhten ein wenig, und um drei machten wir uns auf den Weg nach Downtown. Gleich in der Nähe fuhr die „Blue Line“, für 3 Dollar pro Person gab es Tickets. Eine halbe Stunde fährt man. Wir stiegen an der Washington St. aus, wollten von dort zum Treffpunkt laufen. Leider nieselte es etwas, und wir fanden nicht sofort die richtige Richtung, Auf dem Weg entdeckten wir auf dem Daley Plaza einen „Christkindlmarkt“ - einen echten deutschen Weihnachtsmarkt, eine bunte Mischung von Ständen aus verschiedenen deutschen Regionen, auch Plauen war vertreten! Und es standen tatsächlich auch Deutsche hinter den Theken, wie ich verblüfft feststellte. Nach einem ersten kurzen Schlenker dort sah ich am Rande einen afroamerikanischen Obdachlosen, der dort bettelte. Ich fragte ihn, ob er gern ein Zelt hätte (das hatte ich dabei), er bejahte das, und ich übergab ihm unser Zelt samt Plane, was ihn überraschte und worüber er sich sichtlich freute. Nachdem wir Jim getroffen hatten, der uns entgegengekommen war, drehten wir noch eine Runde über den Weihnachtsmarkt. Jim führte uns dann ein wenig herum mit ein paar Infos zu den Gebäuden – ich hätte ohne ihn auch niemals die Picasso-Skulptur am Weihnachtsmarkt entdeckt. Er kannte auch diverse Wege durchs Trockene (Tunnel zwischen Gebäuden etc.) und zeigte uns auch stolz einige seiner Arbeiten dort in diversen Lobbys, er ist Zimmermann. Es wurde zeitig dunkel, was aber gar nicht schlecht war, denn Chicago sieht bei Nacht ja ebenso interessant aus. Am Lake Michigan, an dem es im Gegensatz zu einem Teich im Park, den wir gesehen hatten, noch keinerlei Eis gab (die Kältewelle hatte hier zuvor auch ordentlich zugeschlagen gehabt) sorgte die Stadt für ein fast sphärisches Licht. Wir kehrten dann bei einem Italiener ein, ich wollte mich endlich revanchieren und Jim mal zum Essen einladen. Dort speisten wir vorzüglich und fühlten uns gut gefüllt, als wir gingen. Da der Stadtteil Oak Park, wo unsere Unterkunft liegt, quasi auf Jims Heimweg liegt, nahm er uns mit und setzte uns dort ab. Ich war dann auch schon ziemlich müde wieder, trotz Nickerchen mittags. Aber während Jim morgen 5:45 wieder ins Stadtzentrum zur Arbeit fahren muss, können wir uns morgen früh Zeit lassen. Um elf wollen wir aufbrechen, 16:10 startet unser Flieger.

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Dienstag, 19. November 2019
Durch Kentucky und Indiana nach Chicago
Montag, 18.11.
Halb sieben standen wir auf, halb neun fuhren wir los. Wir hatten wunderbar geschlafen, schön geduscht, gut gefrühstückt – und die Sonne schien. Es dauerte nicht lange, da verließen wir Tennessee und kamen nach Kentucky. Auf der Strecke lag auch ein Nationalpark, die Mammoth Caves, aber wir hatten unsere Höhlenerfahrung gemacht und waren deshalb nicht traurig, daran vorbeizufahren. In Bowling Green passierten wir das „National Corvette Museum“, aber so ein Autonarr bin ich dann auch wieder nicht, dass das sein muss. Die Landschaft wechselte zwischen bewaldeten Hügeln und abgeernteten Feldern. Zunächst dachte ich, da wuchs sicher auch mal Baumwolle, aber es war wohl eher Mais. Denn wir kamen dann an drei Distillen vorbei, unter anderem der Jim-Beam-Distillery. Ein Bourbon-Museum gab es in Elisabethtown auch. Aber eine Whiskeybrennerei zu besuchen macht keinen Sinn, wenn man mit dem Auto unterwegs ist, finde ich. In Louisville, der größten Stadt von Kentucky, überquerten wir den Ohio River. Da war es mittlerweile schon ganz grau und neblig, nicht sehr einladend für einen Stopp. Bekannt ist die Stadt auch eher für das Kentucky Derby, ein Pferderennen. Kurz gefasst: Wir schauten uns nichts an. Die Hauptstadt Frankfort sahen wir nur ausgeschildert, von der hatte ich noch nie was gehört. Nach Kentucky folgte Indiana. Eher plattes Land. Selbst in Indianapolis gibt es nicht wirklich etwas, was wir unbedingt hätten sehen wollen. Wenn man Ende Mai hierher kommt, sollte man sich vielleicht Tickets für das Indycar-Rennen besorgen. Heute war hier alles in Grau eingepackt, es nieselte auch ab und an. Und es wurde kälter, als wir weiterfuhren, bei 3-5 Grad sahen wir draußen Schneereste liegen. Ich war so froh, dass wir nicht durch Schneesturm nach Chicago fahren mussten! Hätte ja alles passieren können. In Chicago würde ich ohne Google ungern fahren wollen, so aber fanden wir gut zu unserer Unterkunft bei John und Peggy (und Danny), wo ich auch Ende August übernachtet hatte. Um vier kamen wir an. Ich habe mit dem Auto mehr als 16.000 Meilen zurückgelegt. Es ist quasi mein Zuhause gewesen. Man glaubt nicht, wie viel Kleinkram sich da angesammelt und verteilt hatte ... Darunter auch die vielen nützlichen Sachen, die ich von hier mitbekommen hatte und nun zurückgeben konnte. Wir durften zwei Zimmer beziehen, weil wir die einzigen Gäste waren, so haben wir reichlich Platz. Allerdings hängen wir doch jetzt zusammen in einem Zimmer herum, weil das schöner ist. Unsere Schlafsäcke und Isomatten sind schon verpackt, der Koffer kommt aber erst morgen dran. Ein Nachtrag zum Thema Verkehr: Immer wieder witzig finde ich Baustellen mit einseitiger Verkehrsführung, denn statt mit Ampeln wird der Verkehr in der Regel durch Schilderhalter gesteuert, also Menschen, die ein Stopp-Schild halten und es dann herumdrehen zu einem „Slow“-Schild. Und in Gegenden mit vielen Kurven und Hügelkuppen gibt es zwar meist Überholverbot, dafür aber aller paar Meilen eine Überholspur (passing lane), das funktioniert gut. Platz ist hier ja genug für breite Straßen und extra Spuren. Einparken ist hier üblicherweise auch einfacher, die Parklücken sind größer, weil die Autos meist größer sind. Trotzdem fahre ich morgen nicht mit dem Auto in die Stadt, sondern wir werden die „Blue Line“ nehmen. Das ist die (U-)Bahn vom Flughafen ins Stadtzentrum, hier in der Nähe ist eine Station.

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Montag, 18. November 2019
764 Meilen in zehneinhalb Stunden
Sonntag, 17.11.
Unser Wecker klingelte um sechs, wir waren aber schon wach. Um sieben wollten wir gern losfahren. Aber so schnell waren wir dann doch nicht. Außerdem nahmen wir noch kurz Abschied vom Turtle Beach in der Morgendämmerung, ehe wir 7:15 Uhr ins Auto stiegen. (Falls sich jemand fragt, wieso ich keine Schildkröten erwähnt habe - die Saison, in der die sich dort blicken lassen, endet im Oktober.) Ich wollte heute mehr als die Hälfte der Strecke nach Chicago hinter mich bringen, und obwohl Google zehneinhalb bis elf Stunden für den Abschnitt bis Nashville errechnet hatte, als reine Fahrtzeit, hatte ich am Abend noch eine Unterkunft dort gebucht, damit rechnend, im Dunkeln und ziemlich geschafft anzukommen, aber es bis dorthin zu schaffen. Am Vormittag fuhr es sich sehr gut, die Interstate 75 war nicht sehr voll, und es gab viele, die deutlich schneller fuhren als erlaubt, da konnte man sich gut einreihen ohne aufzufallen. Außerdem ließ ich die Waze-App laufen. Circa aller zwei Stunden legten wir eine Minipause ein – entweder zum Tanken oder zum Pinkeln. Wir tankten drei Mal, insgesamt für 85 Dollar. Obwohl ich fast durchgängig deutlich über dem Speed-Limit fuhr, verkürzte sich unsere errechnete Ankunftszeit nicht. Ich fragte mich, auf welcher Grundlage Google die errechnet hat. Bei Einhaltung der Geschwindigkeitsbegrenzung hätten wir das nie und nimmer in der Zeit schaffen können. Und das war wiederholt so hier in den USA, während ich in Deutschland immer schneller bin als von Google errechnet. Schon merkwürdig. Auch im Straßenverkehr ist hier einiges ein bisschen anders, das erwähne ich angesichts des „Fahrtages“ vielleicht mal: Das Wichtigste, was zu beachten ist, ist die Ampelstellung. Ich meine nicht die Farben, sondern den Standort. Sie stehen nämlich hinter der Kreuzung und nicht davor, was einen leicht dazu verführen kann, bei Rot auf die Kreuzung zu fahren, weil man bis an die Ampel heranfahren will. Vielerorts sind sie aber auch vor und hinter der Kreuzung angebracht. Das zweite Besondere sind Kreuzungen mit vier Stopp-Schildern, mit dem Zusatz „ALL WAY“ – im Grunde genommen also gleichrangige Straßen, die extra gekennzeichnet sind. Hier gilt: Wer zuerst heranfährt, ist zuerst dran. (Man muss aber unbedingt an jedem Stopp-Schild auch anhalten, auch wenn die oft so doof stehen, dass man von da aus gar nichts einsehen kann.) Die Ankomm-Regel kann man natürlich unterschiedlich offensiv interpretieren. Wenn man gleichzeitig ankommt, soll rechts vor links gelten. Aber erfahrungsgemäß gilt: Wer zögert, muss halt warten ... Dann gibt es da noch die dreispurigen Straßen. Die Außenspuren sind jeweils einer Fahrtrichtung vorbehalten, und die mittlere Spur, die „center lane“ , dient vor Kreuzungen als Linksabbiegerspur und hinter Kreuzungen erlaubt sie Linksabbiegern, die auf die Straße kommen, sich in den fließenden Verkehr einzuordnen. Das funktioniert super und macht das Linksabbiegen um einiges leichter. Des Weiteren gibt es im Umfeld großer Städte sogenannte HOV-Lanes. HOV steht für „high occupancy vehicle“, Fahrzeuge mit großer Besatzung sozusagen. Diese linken Fahrspuren sind meist in den Stoßzeiten innerhalb der Woche reserviert für Autos mit zwei oder mehr Insassen. Seit also Helene bei mir mitfährt, darf ich diese Spuren auch benutzen ☺ Mehrspurige Straßen haben hier ja auch gern mal sechs Spuren pro Richtung an manchen Stellen, da muss man dann aufpassen, die richtige zu nehmen. Das gilt auch für die Mautstraßen (toll roads), jedenfalls, wenn man Maut vermeiden will. Ich fahre ja ohne automatische Mautzahlung, weil die Miete für das Gerät elend hoch gewesen wäre. Außerdem gibt es kein USA-einheitliches System. Hier im Süden nutzt einem ein Gerät aus dem Norden nämlich gar nichts. Spuren auf Interstates sind auch so ein Thema. Es gibt hier kein Rechtsfahrgebot, und man darf auch rechts überholen. Daran kann ich mich bis heute nicht so recht gewöhnen, auch wenn ich das mittlerweile öfter gemacht habe, weil man sonst eben ggf. festhängt. Was mir hier wiederum gefällt, ist die Möglichkeit, grundsätzlich bei Rot rechts abbiegen zu dürfen, es sei denn ein Schild verbietet es ausdrücklich. Viele Erklärungsschilder gibt es hier manchmal – oft zu scheinbar selbstverständlichen Dingen wie „Brücke gefriert vor der Straße" oder „Sicht ist durch Hügelkuppe begrenzt“ oder ähnliches. Insgesamt, muss ich sagen, finde ich das Fahren hier recht entspannt. Und von der langen Rückfahrt und kleinen Ausnahmen mal abgesehen bin ich sonst auch nur max. 5 mph zu schnell gefahren. Ich habe versucht, mich hier anzupassen und nicht aufzufallen. Ist bis jetzt gelungen. Zurück zu heute: Wir durchquerten Georgia. Bei schönstem Sonnenschein und bis zu zwanzig Grad dort. Viel zu bieten hat Georgia aber, glaube ich, nicht. Wir sahen Werbung für ein Landwirtschaftsmuseum, für ein Baumwollmuseum, für Obstplantagen und für Jagd, und wir sahen zwei Konförderiertenflaggen. Fairerweise muss ich zugeben, dass eine davon noch auf nordfloridianischem Boden wehte. Neben der Interstate wuchs auch Baumwolle bzw. lag abgeerntete herum, Wald und Feld wechselten sich ab. Atlanta – wir fuhren mittenhindurch, da stockte es natürlich etwas – ist die einzige große Stadt in Georgia. Schließlich erreichten wir Tennessee. Die Landschaft wurde gleich hügeliger, es gab Seen und Wald, wir überquerten den Tennessee River. Und genau wie von Google errechnet, um 16:50 Uhr, parkten wir am Hotel (nach floridianischer Zeit 17:50). Der Himmel verfärbte sich gerade, aber es war zumindest noch nicht dunkel. Wir checkten ein in unser großzügiges Zimmer mit zwei Queensize-Betten. Klingt jetzt vielleicht nach Verschwendungssucht auf den letzten Metern, aber das Zimmer war billiger als ein einfaches Doppelzimmer (wegen Genius-Upgrade bei Booking.com) und 11,5 $ billiger als unser Zeltstellplatz am Turtle Beach! Es war das preiswerteste in ganz Nashville. Hier waren heute 13 Grad, in der Nacht werden es zwei Grad werden. In Chicago werden es morgen tags maximal vier Grad, nachts null. Aber Temperaturänderungen sind wir ja schon gewöhnt. Morgen liegen noch 483 Meilen vor uns, die wir hoffentlich in den angegebenen 7 ¼ Stunden schaffen werden.

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Sonntag, 17. November 2019
Alligator-Safari mit Airboat und Fahrrad
Sonnabend, 16.11.
Nach unserer gemütlichen Nacht im Hotel und unserem umfänglichen Frühstück starteten wir viertel neun ab Homestead. Fünf vor neun – kurz vor der Öffnung – standen wir bei Coppertown The Original Airboat Tour auf der Matte, um Tickets für eine Fahrt mit einem propellergetriebenen Sumpfboot durch den Everglades-Nationalpark zu erwerben. Sie kosten 25 Dollar pro Person. Es ging aber nicht gleich los, wir waren vorerst die einzigen Kunden und mussten warten, dazu schickte man uns zu den Gehegen mit Alligatoren und Schlangen. Die Wartezeit wurde uns dann mit einer kleinen „Show“ versüßt, bei der uns einer der Angestellten etwas über die gefangenen Tiere und Alligatoren im Allgemeinen erzählte. Die meisten sind in Gefangenschaft geboren, einer war ein Problem-Alligator, der in Siedlungen umherzog, einer hat mal – darauf war man stolz – bei CSI Miami „mitgespielt“. Gleich neben den Gehegen lag ein Alligator in der Sonne, der nicht eingesperrt war, da war Obacht geboten! Zum Schluss bekamen wir einen zwei Jahre alten, aber noch ziemlich kleinen Alligator präsentiert, den wir streicheln durften, sofern man das „streicheln“ nennen kann. Gegen halb zehn ging es los, im Boot saßen dann ca. zehn Leute insgesamt, es hätten mehr reingepasst. Wattepfropfen wurden als Gehörschutz verteilt, denn so ein Propellerboot macht ganz schön Lärm. Über einen Kanal ging es ins offene Feuchtland, in einem Affenzahn – das war ein Riesenspaß! Wir bekamen, immer wenn das Boot stoppte, verschiedene Dinge erklärt – zu den Gräsern, die dort wachsen, zu den „Hammocks“ (‚Hängematten’ eigentlich), so heißen hier die Baumgruppen auf flachen Inseln im Feuchtland, zu den Bromelien, zu einem Baum mit apfelförmiger Frucht, die grün ähnlich wie Mango schmeckt und Durchfall verursacht, während sie in reifem gelben Zustand sauer und gar nicht lecker sein soll. Wir sahen auch vier Alligatoren, die alle mehr als ihre Augen aus dem Wasser streckten, weil sie sich von der Sonne wieder aufwärmen lassen wollten angesichts der Kühle nach dem gestrigen Regen. Heute wurden es hier nur 22 Grad. Eine halbe Stunde dauerte unsere Airboat-Fahrt, dann stiegen wir wieder an Land. Zum Abschluss bekam jeder noch einen jungen Alligator in die Hand gedrückt, man sollte sich aber hüten, die Tiere niedlich zu finden ... Nach diesem tollen Tagesstart fuhren wir nur ein paar Meilen weiter zum Shark Valley Visitor Center am Nordrand des Nationalparks. Dort gibt es einen asphaltierten Weg durch den Sumpf, der zu einem Aussichtspunkt führt und zurück zum Visitor Center. Die Runde ist 15 Meilen lang, das sind 24 Kilometer. Laufen ist da eher unangebracht. Deswegen gibt es dort zum einen eine ‚Tram’ – einen Bus mit Guide, der lahme Touris da herumkutschiert – und zum anderen die Möglichkeit, für 9 $ die Stunde Fahrräder zu mieten. Das hatten wir vor, halb zwölf waren wir vor Ort. Los ging es! Wir waren kaum hundert Meter geradelt, da lag schon das erste Tier am Straßenrand – ein großer Alligator, der sich sonnte. Und so ging es weiter, immer wieder hielten wir an, weil es was zu gucken gab – Vögel oder Alligatoren. Alle ziemlich nah! An einer Stelle – das war der absolute Höhepunkt – sahen wir sogar einige Baby-Alligatoren, einer lag auf dem Rücken der Mutter! Vielleicht hatten wir auch etwas Glück, weil es sich gestern so abgekühlt hatte mit dem Regen, was die Tiere nun in die Sonne trieb. Aber schön war’s! Man muss natürlich auch ein Auge für die Dinge am Wegesrand haben, die Tiere sind halt nicht ausgeschildert ... Am Aussichtspunkt musste man das letzte Stück zu Fuß gehen. Die Aussicht war auch schön, aber das Beste waren doch die Tiere am Wegesrand. Auf dem Rückweg sahen wir nicht ganz so viele. Wir hatten dann auch Gegenwind, weshalb wir ganz schön strampeln mussten mit den (zu) kleinen, robusten Fahrrädern mit breiten Reifen und ohne Gangschaltung. Nach 2:20 h waren wir zurück, man hat die Zeitnahme aber dort so großzügig gehandhabt, dass wir nur für zwei Stunden bezahlen mussten, sehr fair. Kurz nach zwei verließen wir dann den Everglades-Nationalpark und fuhren Richtung Turtle Beach Campground, der war drei Stunden entfernt. Zunächst führte die Route 41 West und auch die Route 29 North durch viel weiteres Feuchtland, durch Pantherhabitat, enlang an der Big Cypress National Preserve – man kann dort sicher noch viel mehr erkunden. Die Interstates 75 West und North führten uns dann über Fort Myers in den Bezirk Sarasota, und über eine Zugbrücke gelangten wir auf die der Küste vorgelagerte Insel. Die Wohnhäuser in der Gegend sehen alle ziemlich teuer aus, dazwischen Hotels und der ziemlich kleine, enge und fast immer volle (und auch teure) Campingplatz mit Strandzugang. Wir wurden vom Gastgeber persönlich begrüßt. Hatten an der Schranke die Eingabetastatur für den Code nicht gefunden, weil die zehn Meter davor angebracht war. Leider war kein Strandwetter. Jedenfalls kein Badewetter. 17/18 Grad. Viertel fünf waren wir hier, wenn besseres Wetter gewesen wäre, hätten wir eine frühere Anreise geplant. So blieb nach dem Zeltaufbau (das roch muffig nach dem nassen Wegpacken zuletzt) noch Zeit, um einen Spaziergang am Strand zu machen, bei dem wir nicht nur etliche schöne Muscheln aufsammelten – dafür war das Wetter ideal, sondern auch noch sehr schöne Exemplare von einer einheimischen Sammlerin geschenkt bekamen. Nach dem Abendessen in der Dämmerung – um sechs war es dann schon ziemlich dunkel – zuckelten wir noch mal mit dem Auto los zum nächsten Laden, weil wir keine Milch mehr hatten. Zum Florida-Abschiedsabend gönnte ich mir auch ein Bier.

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Samstag, 16. November 2019
Ins Wasser Gefallenes in den Everglades
Freitag, 15.11.
Wir hatten uns einen Wecker gestellt, damit wir gleich um sieben frühstücken gehen konnten. Wach waren wir da ohnehin bereits. Das Frühstück war verhältnismäßig gut, es gab neben Cerealien, Toast und Marmelade sowie Waffeln auch Rührei mit Minikartoffelbällchen und Hackfleischstäbchen, dazu frisches Obst und Joghurt, wir schlugen uns ordentlich die Bäuche voll. Eine halbe Stunde fuhren wir bis zum Everglades National Park, das Visitor Center (Ernest F. Coe VC) war halb neun aber noch zu. Eine Karte hatten wir aber, und einen Plan auch. Der sah vor, als Erstes den Anhinga Trail zu absolvieren, das ist ein nur 0,4 Meilen langer Brettersteg durchs Feuchtland nahe dem Parkeingang. Den sollte man aber nicht übergehen! Wir wurden dort begrüßt von einer Horde Rabengeiern – die sind dort dafür bekannt, Scheibenwischer von Autos zu zerfetzen, weil sie auf Gummi stehen. Aber diese waren – zumindest heute – friedlich. Gleich zu Beginn entdeckten wir auch die Vögel, die dem Weg den Namen gaben: Anhingas. Amerikanische Schlangenhalsvögel. Direkt neben unserem Steg, keine zwei Meter von uns entfernt, stand in aller Seelenruhe ein Vertreter der sonst scheuen amerikanischen Graureiher. Dann sahen wir mit erstaunten Augen eine Schildkröte nahe dem Ufer durchs Wasser gleiten, eine Cooter Turtle, eine Echte Schmuckschildkröte. Wenig später erspähte Helene ein bezauberndes Purple Gallinule, ein Zwergsultanshuhn. Dazu kam eine kleine Echse, die eine der Gattung Anolis sein muss, denn sie stellte kurz ihr orangefarbenes Zungenbein auf. Wir entdeckten weitere Schmuckschildkröten, aber weiter weg, und sie streckten nur mal kurz ihren Kopf aus dem Wasser, um offenbar an Teichrosenblüten zu knabbern. Einzig Alligatoren ließen sich nicht blicken. Wir waren aber vollends begeistert von diesem kurzen Trail. Unser zweiter Punkt im Tagesprogramm war der Pa-Hay-Okee-Aussichtspunkt. Dorthin gab es einen noch kürzeren Weg, aber auch hier fand sich Überraschendes. Gleich auf der Straße wurden wir wieder begrüßt – dieses Mal von einer Romalea microptera, einer hier beheimateten Kurzfühlerschrecke, die bis zu acht Zentimeter lang wird, sie sah auch beeindruckend aus. Der Ausblick ins Feuchtland war auch ganz nett, mehr aber faszinierten uns ein Fisch und ein Grünreiher, der sich in geduckter Haltung im Grün zu verbergen suchte sowie die „Florida swamp-lily“ (Crinum americanum), also die floridianische Sumpflilie. Wir fuhren weiter die Main Park Road (Highway 9336) ab, jetzt bis zum Mahagony Hammock Trail, der Name verrät es schon, man findet hier Mahagoniebäume, einige sind sehr alt und groß. Im 19. Jahrhundert wurde das gute Holz in den Everglades geschlagen, diese Bäume stehen nur deshalb noch, weil der Teil des Parks damals unzugänglich war. Der Holzsteg bietet einen kurzen Rundweg, auf dem man sich glatt wie im tropischen Urwald vorkommt, so viel sattes Grün sprießt dort um einen herum, unter anderem auch ficus aurea, die sogenannte floridianische Würgefeige (strangler fig). Beißviecher umschwirren einen dort leider auch. Gegen Mücken hatten wir uns eingesprüht, aber Autan hilft nicht gegen diese grässlichen Fliegen dort. Die attackierten uns auch am Paurotis Pond, wo man gut Vögel beobachten können soll, aber einen Pfad gab es dort nicht. Wir warfen nur einen kurzen Blick auf den Teich, dann flohen wir ins Auto. Am West Lake blieben wir verschont. Dort gab es auch einen kurzen Brettersteg. Der war als Runde angelegt, aber der Teil, der auf den See hinausgeht, war eingestürzt und abgesperrt, er ist wahrscheinlich durch den Hurrikan Dorian Ende August zerstört worden. Auf dem verbliebenen Boardwalk huschten Minieidechsen umher, links und rechts von uns wuchsen schwarze und weiße Mangroven (erster erkennt man daran, dass sie stiftdünne Luftwurzeln ausbilden, und der Rauch ihres verbrannten Holzes soll ein guter Mückenabweiser sein), auch Bromelien entdeckten wir. Hinweistafeln gab es auch zum ‚buttonwood tree’ (Conocarpus), dessen Früchte angeblich wie Minikienäppel aussehen, den Vergleich fanden wir aber nicht so treffend. Eine Pflanze muss rosa Pfeffer gewesen sein, auch Brasilianischer Pfefferbaum genannt – der Name sagt es schon: Der ist hier nicht beheimatet. Als Zierpflanze einst eingeschleppt wilderte er aus und überwucherte natürliche Biotope, in den Everglades sind große Gebiete davon betroffen, und man gibt Millionen Dollar dafür aus, ihn wieder loszuwerden – der Besitz oder die Pflanzung sind in Florida sogar strafbar! Davon stand da nichts, aber dank PlantNet-App und Wikipedia findet man so etwas im Nachhinein heraus ... Ich beklagte mich dort mal wieder bei Helene über die feuchtwarme Luft, bei 29 Grad finde ich so hohe Luftfeuchtigkeit sehr unangenehm, mir fällt da das Atmen direkt etwas schwer, ihr dagegen scheint das nichts auszumachen. Dabei hatte ich keinen Grund, mich zu beschweren, denn es schien immerhin die Sonne, anders als angekündigt. Als Nächstes steuerten wir nun Flamingo Marina und Visitor Center an der Südküste an. Wir wollten dort gern ein Bötchen ausleihen und herumpaddeln. Seekühe soll man dort mit Glück auch sehen können. Wir sahen auch gleich die Boote liegen und fragten im benachbarten Laden nach. Es gab Kanus und Kajaks, und wir entschieden uns für einen Zweierkajak. Zwei Stunden kosteten dreißig Dollar. Es war kurz nach zwölf. Wir mussten zunächst einen Waiver ausfüllen, also eine Erklärung, dass wir das alles auf eigene Verantwortung machen inklusive Belehrung. Dann wurden uns die Schwimmwesten gereicht und angelegt. Ich fühlte mich auf einmal nicht gut und verspürte einen leicht stechenden Schmerz in der Magengegend. Hatte ich mich beim Frühstück übernommen? War irgendwas schlecht gewesen? Ich entschuldigte mich kurz zu den Restrooms. Dort merkte ich aber gleich, dass ich nichts von mir zu geben hatte und dass ich mich immer schwächer fühlte. Ich riss die Verriegelung auf, nur für den Fall der Fälle, dass ich dort abklappe, dann hoste ich mich wieder an und ging raus, schaute kurz um die Ecke, sagte, ich hätte ein Problem, dann eilte ich in den Laden. Dort war es kühl, und das tat mir gut, schien mir. Ich schwitzte auch ganz fürchterlich. Ich musste mich setzen. Das gesamte Personal dort war sofort bei mir und umsorgte mich – ich bekam eine Flasche kaltes Wasser zu trinken, ein Eis-Pack in den Nacken, mir wurde Luft zugefächelt ... Man rief auch den Park-Ranger-Notdienst. Helene kam dazu, sah ganz besorgt aus. Ich überlegte zwischenzeitlich, ob es am Leitungswasser liegen könnte, das wir hier immer trinken oder ob ich mich irgendwo vergiftet haben könnte. Meine Fingerspitzen kribbelten. Die Leute dort vermuteten, mir sei die feuchte Hitze nicht bekommen. Mir war das wiederum etwas peinlich, weil ich mich für fit halte und in meiner Vorstellung nur fettleibige Leute mit so was Probleme bekommen, was ziemlicher Quatsch ist. Notarzt und Helfer kamen mit einer Trage rein, auf der ich in den Krankenwagen transportiert wurde, obwohl es mir da schon wieder etwas besser ging. Die feuchtheiße Luft draußen ließ mich aber gleich wieder den Schmerz in der Magengegend spüren, war wohl doch dadurch bedingt. Mein Puls war wohl anfangs etwas hoch, ging dann aber schnell wieder runter. Ich musste Fragen beantworten, wusste sogar das Datum, weil ich es auf dem Waiver gerade einsetzen hatte müssen. Jedenfalls war mit mir so weit alles in Ordnung, vielleicht hätte ich auch mehr trinken müssen. Man riet mir, mich den Rest des Tages auszuruhen und mich nicht mehr in die feuchte Hitze zu begeben, vielleicht ein isotonisches Getränk zu mir zu nehmen und mich vielleicht im Krankenhaus vollständig durchchecken zulassen. Aber ich durfte dann gehen, konnte das dann auch wieder. Noch mit dem Eis-Pack im Nacken ging ich zurück in den Laden und erwarb gleich einen Power-Drink, der schmeckte sogar. Wir bekamen sogar die 30 Dollar zurück, das fand ich sehr nett. Überhaupt war das Team dort spitzenmäßig in der Notfallversorgung! Wahrscheinlich kommt das da auch öfter vor. Wir gingen zum Auto und ich warf gleich den Motor an und ließ ihn laufen, für Kühlung. Dann aßen wir Banane und Apfel, zur allgemeinen Stärkung ... Ich fühlte mich wieder gut. Aber unsere Paddeltour musste leider ins Wasser fallen, das wäre zu riskant gewesen. Ich schickte Helene noch los, sich am Wasser umzuschauen, ob hier irgendwo „manatees“, also Seekühe zu sehen wären, während ich im gekühlten (weil laufenden) Auto sitzen blieb. Leider nicht. Wir fuhren noch bis zum Ende der Straße, warfen einen kurzen Blick auf einen Teich, ein Falke saß auf einem Straßenschild und ließ sich von uns nicht stören, eine ganze schar Silberreiher ebenso wenig. Und dort sahen wir auch den teilweise unter Wasser stehenden Flamingo Campground, außerdem gibt es da den nah an der Küste entlangführenden asphaltierten Guy Bradley Trail. Lang konnte der nicht sein, und ein kurzes Stück zu gehen traute ich mir wieder zu. Helene spottete mal wieder etwas, das ich übersehen hätte: eine winzige Krabbe, die mutig ihre Schere ausfuhr. Außer Mangroven und einem Melonenbaum (Papaya), wie ich meine, wuchsen dort auch Meertraubenbäume. Zwei weitere Vögel ließen sich sehen, am Himmel flog kurz etwas vorbei, das rosa Flügel hatte. Ich dachte gleich an Flamingos, aber es könnte auch ein Rosalöffler gewesen sein, zumal erstere ja wohl mehr in Gruppen auftreten. Ein Storchennest – wenn es eines war - sahen wir auch, da es hier den Waldstorch geben soll, könnte das ein Nest dieses Schreitvogels gewesen sein. Es waren Wolken aufgezogen und es fing an, leicht zu nieseln, die damit verbundene leichte Abkühlung war genau das Richtige für mich. Wir kehrten dennoch um, und der Regen wurde auch etwas stärker, wir liefen das letzte Stück zum Auto. Hätten wir gepaddelt, wäre die Tour spätestens jetzt auf andere Weise „ins Wasser gefallen“. Der Regen nahm weiter zu, als wir nun Richtung Parkausgang zurückfuhren, das angekündigte Wetter kam also doch noch. Stürmisch war es allerdings nicht. Die Temperatur fiel auch deutlich mit dem Regen. Er war mir deswegen willkommen. Dreiviertel drei etwa verließen wir den Nationalpark. Aus dem geplanten Abendessen am Gator Grill wurde ein Nachmittagsessen. Wir teilten uns eine Portion Stir-fry mit Alligator, Gemüse und Reis. Als wir gerade am Hotel angekommen waren, fing es so richtig an zu pladdern – wir waren froh, uns aufs Zimmer zurückziehen zu können. Der Rest des Nachmittags ging schnell hin. Den halben Abend verbrachte ich mit Recherchen zu Flora und Fauna ... Zu Abend aßen wir spät und nur wenig heute, wir waren noch voll. Und jetzt ist es schon wieder viertel elf.

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Freitag, 15. November 2019
Am südlichsten Punkt
Donnerstag, 14.11.
Dem kurzen Schauer folgte ein heftiger Guss. Wir waren besorgt, wie es in unserem Zelt wohl aussehen mag, schauten aber erst nach, als wir zu Bett gehen wollten. Und überraschenderweise war es im Zelt trocken. Auf der untergelegten Plane hatte sich allerdings Wasser gesammelt, das darauf stand, weshalb wir sie unter dem Zelt hervorzogen und beiseite legten. Sie stand nämlich über an den Seiten. Hätte ich mit Regen gerechnet, hätte ich sie umgeklappt. Die Wettervorhersage passte sich stündlich dem Wetter an, lag aber ansonsten etwas daneben. Wir legten uns beruhigt ins Zelt, es schien ja mehr abzuhalten als gedacht, jedenfalls Niederschläge. Es regnete immer mal wieder bis zum Morgen. Da stellte sich dann heraus, dass es an den unteren Nähten hereintropfte, am Eingang hatte sich eine Pfütze gebildet, und meine Isomatte war von unten nass. Alles halb so wild. Beim Frühstück auf der überdachten Veranda – mal wieder ohne Müsli wegen vergorener Milch - sahen wir die neuesten Wettervorhersagen – es sah auf einmal gar nicht mehr gut aus. Nicht bloß Regen am Freitag. Die nächsten Tage sollten vor allem nicht nur Regen nach ganz Florida bringen, sondern auch stürmische Winde. Die Kombination hielt unser Zelt definitiv nicht aus bzw. wir nicht in dem Zelt, denn wenn sich nasse Zeltwände des Nachts auf einen legen, dann ist das bestimmt nicht mehr lustig. Für die nächsten zwei Nächte hatten wir keinen Campingplatz gebucht, weil der Platz in den Everglades, zu dem wir wollten, ohne Reservierungen läuft. Wir überlegten, ob wir die zwei Nächte im Auto schlafen. Das ginge sicher, wäre aber mit vorherigem umständlichen Umräumen verbunden – das will man in stürmischem Regen auch nicht unbedingt machen. Kurz und gut: Ich buchte uns ein Hotel in Homestead, das Floridian. Homestead liegt südwestlich von Miami (man merkt nicht, wann man Miami verlässt und in die nächste Stadt kommt, es geht alles ineinander über, weswegen wir gestern das Gefühl hatten, die Stadt nähme überhaupt kein Ende) und vor den Toren des Everglades National Parks. Jetzt gegen Ende meiner langen Reise und mit Helene an meiner Seite sitzt das Geld dann wohl doch etwas lockerer. Von Budgeteinhaltung kann keine Rede mehr sein, es kommt ein Extra zum Nächsten ... Jedenfalls beschäftigte uns das am Morgen eine Weile. Es regnete auch immer mal wieder etwas. In einer der Regenpausen bauten wir das Zelt ab, das nun nass im Auto liegt. Durch Regen starteten wir unsere Reise ans Ende der USA – nach Key West. Dort sollte es laut Vorhersage nicht regnen, aber der trauten wir nicht mehr so recht. Darin allerdings irrte sie nicht: Je weiter wir nach Südwesten fuhren, desto freundlicher wurde es. Die Fahrt von Insel zu Insel über unzählige Brücken und über schmale Landzungen war ein Erlebnis für sich. Dreiviertel zwölf hatten wir an der Battery Seminole in der Fort Street einen kostenlosen Parkplatz gefunden. Von dort aus erkundeten wir die Stadt. Wir liefen Richtung Whitehead St. und stießen so direkt auf das Haus, das ich hier gern besichtigen wollte. Helene wollte draußen warten, damit ich die 14 Dollar Eintritt pro Person für sie einspare, aber das fand ich keine gute Idee. Sie war dann auch ganz angetan von Hemingways Haus und Garten. Wir machten eine Führung mit, erfuhren so einiges Interessantes. Hängengeblieben ist zuvorderst, dass er ein Frauenheld war, Stift und Papier der Schreibmaschine vorzog, außer dem Schreiben gern fischte und Bars besuchte, es sich überhaupt ziemlich gutgehen ließ und dass er ein ziemliches Faible für Katzen hatte. Das Skurrilste daran war, dass er ihnen die Namen berühmter Freunde und Bekannter gab. Nach der Führung schauten wir uns noch eigenständig um und picknickten in seinem Garten mit Blick auf den Pool. Vom Hemingway-Haus liefen wir die Whitehead Street hinunter bis zum südlichsten „Festlandspunkt“ der USA – dort gab es eine Schlange zum Fotografieren. Weiter ging es zum südlichsten Haus, das Helene sehr gefiel, und zum South Beach mit kleinem Pier. Von dort bummelten wir die Duval Street, die bekannteste Straße der Stadt, hinauf bis zum Sunset Pier auf der anderen Seite. Es gibt hier schöne farbenfrohe Häuser, viele kleine Bars und Restaurants und Läden, dekoriert mit viel Grün, und Hühner. Denn die laufen hier vielerorts frei herum. Wir sogen die Atmosphäre in uns auf und merkten gar nicht, wie die Zeit verging. Über den Mallory Square und vorbei an einem Museum mit Schiffswrack-Exponaten gelangten wir wieder in die Whitehead St., deren anderes Ende wir nun abliefen – vorbei an einem eindrucksvollen Kapokbaum, ehe wir abbogen Richtung Auto. Als wir dort ankamen, war es schon viertel vier. Viel Zeit blieb nicht mehr. Zwei Alternativen standen im Raum: nochmal an einen Strand oder zum Sea Turtle Sanctuary. Letzteres kostet aber nicht nur 25 $ Eintritt pro Person, man soll auch Touren reservieren. Wir entschieden uns für einen Strandbesuch. In Marathon sollte es einen netten Strand geben, den Sombrero Beach, dorthin steuerten wir nun. Das war aber doch einige Meilen zu fahren, und das Wetter drohte uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es regnete unterwegs. Es tröpfelte, als wir uns dem Strand näherten. Der Himmel sah sehr grau aus, aber es blieb trocken, während wir und dort niederließen und badeten. Helene war es ohne Sonne zu kalt, um ganz ins Wasser zu kommen, trotz 26/27 Grad. Der Wind war auch ein wenig frisch, ich blieb auch nicht lange drin. Dann legte der Himmel auch schon seine Abendgarderobe an, während auf der anderen Seite düsteres Grau aufzog. Wir trollten uns zum Auto und fuhren weiter. Wir verließen die Keys im Dunkeln. Viertel acht abends erreichten wir das Hotel, checkten ein, bezogen unser Zimmer, dann gingen wir zu Fuß auf der anderen Straßenseite (der Route 1) einkaufen, aßen Abendbrot – wir probierten auch mal ein Mikrowellennudelgericht aus, gar nicht so übel. Es ist spät geworden heute. Es ist gleich um elf, und für morgen steht noch nichts weiter fest, als dass wir in den Everglades-Nationalpark fahren und danach hierher zurückkehren werden.

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Donnerstag, 14. November 2019
Cruising the Coast
Mittwoch, 13.11.
Wir waren früh zu Bett gegangen und standen ziemlich früh auf, angesichts des ab um neun angekündigten Regens war das auch eine gute Idee. Nach dem Abbau des Zeltes fuhren wir noch vor um acht kurz zum höchsten Berg Südfloridas, kein Witz. Der Hobe Mountain soll tatsächlich mit seinen 86 Fuß Höhe diese Krone zurecht tragen. Und, man glaubt es kaum, die Aussicht ist tatsächlich weit, weil rundum alles platt ist. Anschließend wollten wir noch den Fluss begutachten und uns die Badestelle dort anschauen. Daraus wurde eine kleine Dschungelrunde, denn wir erkundeten Pfade ins Uferdickicht. Alligatoren, vor denen hier auch gewarnt wird, sahen wir nicht, aber einen Sumpfvogel und einen Greifvogel. Ich lege mich besser nicht fest. Auch die Flora bot wieder einmal Altes und Neues. Als wir viertel zehn den State Park verließen, fing es gerade an zu tröpfeln, und daraus wurde auch ein richtiger Regenguss. Endlich bekam das Auto mal eine Wäsche! Wir ignorierten heute Google, denn wir wollten die „scenic route“ 1A1 entlangfahren, immer am Meer entlang. Das dauerte natürlich ewig, aber es kam uns gar nicht lange vor, weil wir was zu gucken hatten. Zum Beispiel die Häfen, die Villen von Palm Beach usw. Selbst die Wartezeit an zwei Zugbrücken empfanden wir nicht als lästig, sondern als Ereignis. Am ersten öffentlichen Strand nach den Privatstränden von Palm Beach hielten wir mal an, weil es gerade aufgehört hatte zu regnen. Wir dachten uns, bei so viel Flutwarnung und Wind- und Regenwetter lassen sich bestimmt noch ein paar schöne Muscheln aufsammeln. Es gibt hier ohnehin reichlich davon. Was etwas verstörte, war das Riesenrohr, das schmutziges Wasser in den Ozean prustete. Wahrscheinlich war das nur das Regenwasser aus der Straßenkanalisation, sah trotzdem nicht so einladend aus. So zuckelten wir bald weiter und kamen schließlich nach Miami Beach. Dort endet die 1A1 bzw. vereint sich wieder mit der Route 1 und führt in die Stadt. Über die Route 1 verließen wir Miami auch, das allerdings kam uns schon wie eine lange Fahrt vor, denn wir fuhren ca. 25 Meilen von Ampelkreuzung zu Ampelkreuzung, ehe wir die Stadt hinter uns gelassen hatten. Wir stoppten noch zum Einkaufen, dann ging es ab auf die Inseln, die Keys. Wir steuerten einen Campingplatz auf Key Largo an, wo wir für 56(!) Dollar einen Zeltplatz ohne Elektrik bezogen. Dafür genossen wir nach dem Abendessen noch kurz den warmen Pool, der wegen einer kleinen defekten Lampe eigentlich ab Dunkelheit gesperrt sein sollte, wie wir dann erfuhren. Wir hatten unseren Spaß gehabt. WLAN gibt es hier endlich auch mal wieder, ich habe ja meine amerikanische SIM-Karte mit reichlich Datenvolumen und zuletzt hatte ich auch überall Netz, aber Helene ist darauf angewiesen. Und während wir es uns wegen des WLANs gerade unter der überdachten Veranda in der Sitzecke bequem gemacht hatten, ging plötzlich ein Regenhuschen hier hernieder, aber nur kurz.

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Mittwoch, 13. November 2019
The Beach Girls
Dienstag, 12.11.
Am Morgen war dichter Nebel, aber man sah, dass die Sonne sich hindurchkämpfen würde. Unser Frühstück mussten wir heute gegen kecke Eichhörnchen verteidigen. Das Zelt packten wir nebelnass ein. Als wir halb/dreiviertel neun etwa losfuhren, hatten die im morgendlichen Sonnenlicht durch die Luft schwirrenden feinen Tröpfchen sich aber tatsächlich verzogen. Wir fuhren heute fast nur Highways, weil rund um Orlando die Interstates Mautstrecken sind. Außerdem macht das mehr Spaß, wenn man die Zeit hat. Und es reichte uns, halb eins am Strand anzukommen. Unterwegs nahm dann auch die Palmendichte deutlich zu, wir sahen einmal sogar Kühe unter Palmen weiden, das war ein merkwürdiges Bild. Zitronenplantagen zogen auch an uns vorbei. Über die Route 60 und die „Yeehaw Junction“ gelangten wir nach Fort Pierce. Wir waren nun an der Ostküste und damit am Atlantik angekommen. Dort ist eine langgestreckte Insel vorgelagert, die über Brücken mit dem Festland verbunden ist. Wir fuhren über den Seaway Drive hinauf auf Hutchinson Island, dann ging es über die A1A in gemächlichem Tempo die Insel entlang südwärts. An der meerabgewandten Seite sahen wir einzelne Pelikane. Auf der Meerseite reihte sich ein Strand an den nächsten, wir waren etwas unentschlossen, welchen wir wählen sollten. Letztlich parkten wir im Jenson Beach Park, wo wir sogar ein schattiges Plätzchen fürs Auto fanden. Wir schnappten uns unsere Badesachen, etwas Verpflegung und meine Isomatte, und dann schritten wir in freudiger Erwartung zum Strand, der keine hundert Meter entfernt war. Ich war erstaunt, dass sowohl Parkplatz als auch Strandzugang kostenlos waren, ist hier eine echte Rarität, dass man mal nichts bezahlen muss. Es war an der Stelle relativ viel Platz. Links und rechts von uns gab es je einen besetzten Rettungschwimmerausguck, dort wehte eine rote Fahne, die vor gefährlichen „Rippenströmen“ (Brandungsrückströmen) warnte, aber Baden war erlaubt. Die Wellen sahen auch beeindruckend aus und zogen etliche Surfer an. Helene wollte nur mal kurz mit den Füßen die Wassertemperatur testen, da bekam sie schon nasse Hosenbeine (Bermudalänge). Wir schlüpften dann im Schutze unserer Handtücher in unsere Badekleidung (die bei Helene aus Shorts und T-Shirt besteht, weil sie keine mitgenommen hatte und keine neue kaufen wollte). Das Wasser war ziemlich warm, kombiniert mit den mächtigen Wellen ist man da schneller nass als man bis zehn zählen kann! Anfangs hatten wir unseren Spaß damit, im Anspülbereich der Wellen nach Muscheln zu fischen, dann bevorzugten wir das etwas tiefere Wellenbad, weil der Sog so stark war, dass es einem die Muscheln nur so gegen die Beine haute und einem der Sand unter den Füßen weggezogen wurde. Außerdem lief und stand es sich auf den harten Schalen nicht gut. Wir hielten es ziemlich lange im Wasser aus, weil es nicht kalt war, das war sehr angenehm. Dann setzten wir uns an den Strand und beobachteten Vögel (Möwen, lustige kleine ‚Strandläufer’, die mit kurzen Tippelschritten herumrasten, rotschnabeliges Federvieh, auch Pelikane kamen vorbeigeflogen) sowie Surfer, insbesondere Letzteres war ein ganz netter Spaß. Bei unserem zweiten Bade zog sich Helene unter dem großen Zeh eine Schnittwunde zu, wie gesagt, alles voller Muscheln da, und Wellen, die mit einem machen, was sie wollen. Aber nachdem ich sie verarztet hatte, tat es nicht mal mehr weh. Sie nahm es ohnehin hin, als könne sie das von nichts abhalten. Nach gut drei Stunden am Strand hörten wir Unmengen Sirenen, dann landete sogar ein Hubschrauber auf dem Parkplatz, wie uns schien. Da wir ohnehin langsam los wollten, nahmen wir das zum Anlass, um unsere Neugier zu befriedigen. Man fragt sich dann auch: Steht unser Auto noch da? Stand es. Direkt neben dem gesperrten Straßenabschnitt mit Polizei, Krankenwagen, Feuerwehr, Rettungshubschrauber. Ein Feuerwehrmann hielt einen Motorradhelm in der Hand. Mehr sahen wir nicht und wollten wir auch nicht sehen. Wir reihten uns in die über den Parkplatz umgeleiteten Autos ein und verließen die Insel Richtung Jenson Beach / Ocean Breeze. Es ging noch einige Meilen südwärts auf der Route 1, dann hatten wir den Jonathan Dickinson State Park erreicht, wo wir heute Nacht campen. Nachdem wir das Zelt aufgebaut hatten, konnten wir auch schon den sehr farbkräftigen Sonnenuntergang bewundern, während wir Abendbrot aßen. Um sechs war es dunkel. Die Tage sind eben auch hier kürzer jetzt, trotz 28 Grad am Tag und 21 in der Nacht ... Morgen werden wir vor dem vorhergesagten Regen Richtung Süden fliehen, mal sehen, wer schneller ist.

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Dienstag, 12. November 2019
Sehnsucht nach Wärme erfüllt
Montag, 11.11.
Halb sieben standen wir bereits auf, es war ein wenig frisch beim Frühstück, aber es machte uns heute weniger aus, wissend, dass wir ins Warme fahren würden. Gegen acht machten wir uns auf den langen Weg, sechs Stunden reine Fahrzeit standen auf dem Programm, fast nur auf der Interstate. Bevor wir diese erreichten, kamen wir abermals an Baumwollfeldern vorbei, dieses Mal waren es abgeerntete, und die Baumwolle lag in Folienrollen verpackt auf den Feldern, ähnlich den Heurollen bei uns. Wir hielten unterwegs zweimal zum Tanken (die 1,99-Zeiten sind vorbei, hier sind wir froh über 2,35), einmal auf einem Rastplatz, von dem aus wir auch nach Hause telefonierten, einmal an einem Walmart zum Einkaufen. Dadurch waren wir letztlich sieben Stunden unterwegs. Wir kamen um vier auf dem Silver-Lake-Campingplatz an. Wer rechnen kann, markt gleich: Wir haben wieder die Zeitzone gewechselt. Nur noch sechs Stunden Unterschied zu Deutschland. Bei 26/27 Grad stiegen wir hier aus und entledigten uns der langärmeligen Sachen. Leicht schwül ist die Luft hier, aber nicht zu sehr. Als das Zelt stand, sockten wir ohne Rucksack los zum See, in der Hoffnung, einen Pfad zu finden. Den gab es auch. Meine App kannte den Weg nicht, aber es war ein ausgeschilderter und markierter Wanderweg. Wir wussten nur nicht, wie lang er ist, wo er hinführt, ob es ein Rundweg ist oder nicht, denn Infos dazu gab es nicht. Wir liefen durch Wald mit moos- und farnbehangenen Bäumen, Pilze gab es auch etliche. Tiere begegneten uns heute keine. Zunächst warfen wir aber einen Blick auf den ebenfalls an den Wanderweg angeschlossenen benachbarten Campingplatz namens Cypress Glen Campground. Hätte ich mehr Zeit für die Recherche geopfert, hätte ich den gebucht, denn er liegt weiter von der Interstate entfernt und ist deutlich ruhiger – hier hören wir die Autobahn doch recht deutlich. Ist aber ein relativ monotones Geräusch, das man wohl ganz gut ausblenden kann. Unsere Runde wurde tatsächlich eine Runde, denn wir kamen wieder an dem Campingplatz heraus. Fünfeinhalb Kilometer absolvierten wir, dreiviertel sechs waren wir zurück – und es war dank der neuen Zeitzone noch nicht stockfinster. Wir aßen Abendbrot, dann kamen die Mücken raus, und wir flüchteten ins Auto. Warm genug zum Draußensitzen wäre es gewesen ...

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Montag, 11. November 2019
Sonniger Sonntagsspaziergang am See
Sonntag, 10.11.
Es fühlte sich weniger kalt an als gestern morgen, wohl weil kein Wind die Wärme, die das Zelt hielt, wegwehte. Wir blieben trotzdem bis um acht liegen. Ich hatte gestern Abend angefangen, unsere Restzeit zu planen. Insbesondere das Wochenende war ja immer ein Problem, und hier in Florida ist Camping außerdem teurer. Am Morgen rief ich dann am Turtle Beach Campground an, wo ich für Sonnabend, den Tag vor unserer zweitägigen Rückreise nach Chicago, zwar online einen einzigen freien Zeltplatz gefunden hatte, diesen aber ohne US-Adresse nicht buchen konnte. Ich war sehr erfreut, dass das dann so klappte, obwohl der Platz sehr teuer ist. Aber er hat direkten Strandzugang zu einem der besten Strände der USA. Das soll unser würdiger Abschluss werden ... Nach unserem gemütlichen Frühstück im Sonnenschein kümmerte ich mich um die übrigen Nächte, manches werden wir aber ohne Reservierung machen müssen. Während wir an unserem sonnigen Picknicktisch saßen und planten, machte es sich eine kleine Eidechse darauf gemütlich. Wir packten erst gegen elf den Wanderrucksack, ganz entspannt stiefelten wir los. Vom Krul Lake geht an einer alten Wassermühle ein Pfad ab, der zunächst einem Bach folgt und ihn auch über eine ganz leicht schwingende Hängebrücke überquert, dann durch den Wald verläuft und am Bear Lake endet. Der Bear Lake ist deutlich größer als unser Krul Lake und hat auch einige Zipfel. Wir folgten weiter seinem 4 Meilen langen Rundweg. Unterwegs gab es viele Bänke, die zum Verweilen einluden, und das Angebot nutzten wir auch. Die Flora hier war wieder ziemlich gemischt, Palmen und Kiefern, Lorbeer und Liguster, Farne und andere staudenartige Gewächse, rotbelaubte, erlenartige und andere Bäume, ich kenne leider nicht alle. Helene hatte auch ein Auge für eine besondere Pflanze, deren Stängelende wie eine Orchideenblüte aussah, vielleicht war es eine. Eine Echse, die sich extrem gut wie graue Baumrinde tarnte, entdeckte sie auch. Dreiviertel drei hatten wir unser Elf-Kilometer-Runde beendet, dann – wegen der Nachmittagssonne zum Haaretrocknen – suchten wir die Duschen auf. Halb fünf stand die Sonne nämlich dann schon so tief, dass man sie nur noch in den Baumwipfeln sah, und es wurde frisch. Wenig später aßen wir schon Abendbrot, denn wir wussten ja, wie zeitig es dunkel wird, und Hunger hatten wir auch. Halb sechs war es schon wieder stockfinster, und wir machten es uns im Auto gemütlich, schrieben, recherchierten usw. Ab morgen werden wir schwitzen, denn wo wir die nächsten Tage verbringen werden, sollen tags bis 28 und nachts mindestens 18 Grad herrschen. Ich prophezeie, dass uns wieder die Milch schlecht wird ... Wir freuen uns selbstverständlich trotzdem auf die Wärme.

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Sonntag, 10. November 2019
Am Strand in Mississippi
Sonnabend, 9.11.
Die feuchte Kälte nachts und am frühen Morgen war unangenehm. Umso mehr erfreute uns, dass der Himmel heute wieder blau war. Wir frühstückten bei 7 Grad draußen, danach wurde uns aber bald warm, als wir mit unserem Ford Flex über die Route 90 die Stadt des Jazz verließen. Wir wollten das Meer sehen, deshalb fuhren wir abseits der Interstate nach Mississippi. In Pass Christian, nachdem wir die St.-Louis-Bucht überquert hatten, stoppten wir an einer Station des Mississippi Blues Trail, der kein Wanderweg ist, sondern verschiedene Blues-Stätten miteinander verbindet. Dort waren wir nun endlich direkt am Golf von Mexiko. Wir eroberten den menschenleeren Strand - bei 12/13 Grad. Helene war so mutig, mit ihren Füßen auch das Wasser zu testen, das zumindest am Strand relativ warm war. Mutig also nicht wegen der Wassertemperatur, sondern wegen der unzähligen Quallen, die es darin gab und deren Gefährlichkeit wir nicht imstande waren zu ergoogeln. Bei unserem Strandspaziergang entdeckten wir außerdem tote Fische, einer war ziemlich groß, aber bis auf den Kopf kahlgefressen, des Weiteren Muscheln, ich glaube auch Austernmuscheln, skurrile Knochen, einen einsamen Monarchfalter und – das war traurigerweise so – Plastikkleinteile, also Müll. Wir cruisten weiter die 90 direkt am Strand entlang und gelangten so über Gulfport nach Biloxi, wo wir abermals anhielten. In Biloxi gibt es einen Leuchtturm, der mitten auf der Straße steht, könnte man sagen, nämlich auf dem Mittelstreifen, der die Fahrrichtungen des Highways voneinander trennt. Wir schlenderten den Pier dort entlang, wo es Hinweisschilder zu Meeresschildkröten gab, zu sehen waren keine. Danach aßen wir noch eine Kleinigkeit, bevor es wieder auf die Straße ging, dieses Mal über die Interstate, wir wollten ja im Hellen ankommen. Dabei durchquerten wir ein Stück Alabama, aber viel mehr als die paar Hochhäuser von Mobile, Wald und Wasser bekamen wir nicht zu sehen. Von unterwegs, denn ich befürchtete, hier im Wald gar kein Netz zu haben die nächsten zwei Tage, buchte ich uns schon den nächsten Campingplatz für Montagabend: am Silver Lake westlich von Orlando, bis dahin werden wir zwar sechs Stunden fahren, aber nach dem ruhigen Tag morgen ist das okay. Schließlich erreichten wir den westlichsten Zipfel von Florida, der neben ein paar dekorativen Palmen vor allem Kiefernwald zu bieten hat, wie es scheint. Und Wasser. Bei Bagdad verließen wir die I 10 und fuhren über Milton in den Blackwater River State Forest, wo es ein wenig nach Qualm roch. Vielleicht so viertel fünf erreichten wir den in Kiefernwald eingebetteten sichelförmigen Krul Lake, da stand die Sonne schon ziemlich tief. Wir nahmen unseren Platz in Beschlag, stellten das Zelt auf, dann schauten wir uns den See an. Er ist sehr klar, es gibt zwei Badestellen, es ist insgesamt recht idyllisch hier, und auf dem Campingplatz gibt es viele Familien mit Kindern und ausnahmsweise mal mehr Zelte als Wohnwagen, wie es scheint. Als wir unsere Erkundungsrunde beendet hatten, war es schon so dunkel geworden, dass wir beim Abendessen Licht brauchten, dafür taugt meine 1-Dollar-Stirnlampe ganz gut. Halb sechs war es dann richtig dunkel. Seitdem sitzen wir bei Licht im Auto, wie jeden Abend vor dem Zu-Bett-Gehen. Auch unsere Schlafsäcke lassen wir so lange im Auto, weil sie da nicht so kalt werden. Die Isomatten transportieren wir immer in aufgeblasenem Zustand, das spart Zeit und Mühe, und den Platz haben wir. Heute Nacht wird die Temperatur bis auf vier Grad zurückgehen, wir haben vor, nicht so früh aufzustehen.

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Samstag, 9. November 2019
Ein entspannter und interessanter Bummel durch New Orleans
Freitag, 8.11.
Am Abend hatten wir im Auto sitzend geschwitzt, am Morgen mochten wir erst nicht aus dem Schlafsack kriechen, denn es hatte sich nicht nur abgekühlt, es war auch etwas windig. ‚Ungemütlich’ trifft es ganz gut. Beim Frühstück mussten wir auf Flocken verzichten, der Milch war es auch zu warm gewesen. Erst nach neun kamen wir los. Wir fuhren Richtung Algiers-Point-Fährterminal und parkten unser Auto 0,4 Meilen davor am Straßenrand, weil wir die Parkgebühr sparen wollten. Die Bouny Street, durch die wir zum Terminal liefen, überraschte gleich mit schönen Häusern. Normalerweise fährt aller halbe Stunde eine Fähre hinüber zur Canal Street am Rande des French Quarter, also des Herzens der Stadt, Da diese aber gerade überholt wird, gibt es ersatzweise einen Shuttle-Bus, der einen für 1,25 $ hinüberbringt. Wir waren darüber informiert, wählten diese Variante dennoch, da das Parken in der City schweineteuer ist. Klappte auch alles prima. Die Haltestelle am Fährterminal Canal St. lag direkt gegenüber einem Kasino, war somit leicht wiederzufinden. Ich hatte uns ein kleines ‚Programm’ zusammengegoogelt, und das begann mit dem Besuch der Saint Patrick’s Church. Die Kirche sollte sehr schön sein, und mich als alten Irlandliebhaber zog es irgendwie dahin. Wir kamen an einem imposanten Gerichtsgebäude vorbei am Lafayette Park, dann standen wir alsbald vor der Kirche. Von außen wirkte sie sehr unscheinbar. Ihr Innerstes ist aber wunderschön. Wir waren allein dort, konnten ungestört alles auf uns wirken lassen. Von dort aus ging es immer geradeaus zuerst die Camp St. und dann die Chartres St. hinunter. So kamen wir direkt ins touristische Zentrum mit jeder Menge Bars, Restaurants, Läden. Vor einem Laden hing ein Blümchenkleid, das mir sofort gefiel – Grund genug, in den Laden zumindest mal hineinzuschauen. Ich kam mit dem Kleid wieder heraus. Nach diesem außerplanmäßigen Zwischenstopp erreichten wir das Museum, das ich ausgesucht hatte, weil ich meinte, es könne Helene interessieren: New Orleans’ Pharmazeutisches Museum. Es ist nicht groß, untergebracht in einer einstigen Apotheke, aber es beherbergt viele interessante Exponate und Informationen aus der Medizingeschichte. Ich bekam Lob für die Entdeckung dieses kleinen Juwels. Unser Weg führte weiter geradeaus zum Jackson Square, wo auch die St. Louis Cathedral steht. Dort lief aber gerade eine Messe, weswegen wir die Besichtigung auf später verschoben. Stattdessen setzten wir uns eine Weile zum Ausruhen auf eine Bank im Park. Leider war es zu frisch, um es länger dort auszuhalten. Wir überquerten den Platz und liefen dann weiter durch die Decatur St., bis wir die goldene Statue der Jungfrau von Orleans erreichten. Weiter ging es zum French Market, einer Kolonnade mit kleinen Imbissständen, Bars und Verkaufsständen – dort kann man auch ein Souvenir finden. Wir bogen als Nächstes in die Frenchmen Street ein, wo es viele Pubs und Bars gibt, und in fast jedem Laden lief halb zwei schon Live-Musik! Wir hatten alsbald ein Lokal gefunden, dessen Karte (inkl. Preise) uns genauso zusagte wie die darin gespielte Musik: das Bamboula’s. Dort ließen wir uns etwas abseits nieder, genossen die Stimmung, die schon jetzt dort herrschte, ich gönnte mir ein Abita-Amber-Bier, wir aßen leckere Burger mit einer ordentlichen Portion Pommes und verließen halb drei satt und zufrieden das Lokal. Von der Frenchmen St. aus spazierten wir durch die schöne Burgundy St. Richtung Louis-Armstrong-Park, durchquerten ihn und kamen gerade noch rechtzeitig am historischen Saint Louis Cemetery (No. 2) an, denn der schloss halb vier. Wir huschten durch die alten Gräberreihen und genossen den morbiden Charme der Ruhestätten. Am Friedhof No. 1 kamen wir dann vorbei, da kommt man aber nur mit Führung rauf. Als ich den Weg zur Kathedrale routete, meinte Google, diese schließe um vier, kurz nach unserer Ankunft - kaum zu glauben, aber Grund genug, einen Schritt zuzulegen. Wir waren zehn vor vier da, fünf vor vier wurden schon alle hinausbeordert, weil eine Probe für eine Hochzeit anstand. Da war nichts mit Ruhe finden. Aber zumindest hatten wir sie noch sehen können. Danach war nicht nur unser Programm abgearbeitet, wir fühlten uns auch so, wir waren schließlich einige Kilometer durch die Stadt gelaufen. Das unterschätzt man leicht. 16.000 Schritte. An der Uferpromenade des Mississippi entlang bummelten wir zum Fährterminal zurück, an dem der Bus uns abgesetzt hatte. Nach einer Viertelstunde Wartezeit stiegen wir ein und wurden zurück zum Algiers Point chauffiert, wo wir angesichts einsetzender Dämmerung schnurstracks Richtung Auto liefen. Als wir da eintrafen, begann es leicht zu regnen. Wir kauften noch schnell frische Milch, dann steuerte ich uns zurück zum Campingplatz, wo wir so halb sechs ankamen, zu der Zeit war es aber schon etwas dunkel. Aber immerhin trocken. Trotzdem bevorzugten wir, im warmen Auto Abendbrot zu essen. Wir gähnen im Moment um die Wette, werden wohl zeitig in die Kunstfasern unserer Ajungilaks finden.

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Freitag, 8. November 2019
Paddeln im Alligatorrevier und Louisianas Hauptstadt
Donnerstag, 7.11.
Nun, man kann sagen, es hätte geregnet in der Nacht, aber man kann auch sagen, es hätte nicht geregnet. Denn die Luft war so feucht, dass es von den Bäumen nur so tropfte, obwohl vom Himmel kein Tropfen herabfiel. Jedenfalls blieben wir trocken in unserem 25-Dollar-Zelt. Wir duschten und frühstückten dann auch draußen, bauten ab, und kurz vor halb neun waren wir am Parkeingangsbüro, um uns für zwei Stunden ein Kanu auszuleihen. Ich bekam zwei Paddel, zwei Schwimmwesten und einen Schlüssel in die Hand gedrückt, dazu wieder Satsuma-Orangen, dann fuhren wir zur Kanueinsatzstelle, schlossen Kanu 1 ab, schleiften es ins Wasser – es gab eine bequeme Einstiegsstelle – und paddelten los. Der Nebel zwischen den Bäumen, die im Wasser stehenden Palmen, das schilfige Feuchtland ringsum und die an vielen Stellen braunen Wasserlinsen ergaben ein fast surreales Bild für uns. Das Paddeln fühlte sich so vertraut an, aber die Umgebung war so seltsam ... Vom Kanuteich aus paddelten wir zunächst einen schmalen Stich Richtung Vermilion River entlang. Als wir einen schilfigen Bereich passierten, hörten wir linkerhand ein deutliches tiefes Knurren, das – da lege ich mich fest – definitiv von einem Alligator kam. Da lief uns schon ein leichter Schauer über den Rücken. Zu Gesicht bekamen wir aber keinen. Ein Silberreiher zeigte sich uns. Und wir durften uns auch wieder über zwei Exemplare des roten Vogels freuen. Wir glitten dann über einen weiteren Teich, ehe es wieder den schmalen ‚Fluss’ entlangging. Mir war gesagt worden, dass irgendwann Pflanzen das Weiterpaddeln erschweren würden, man aber durchkäme, vor dem kleinen Wasserfall solle man umkehren. So weit kamen wir aber nicht, denn ein Baumstamm blockierte die Weiterfahrt, vielleicht war der Wasserstand zu niedrig. Wir überlegten kurz, ob mit ‚Pflanzen’ eventuell die Palmen gemeint waren und wir durch die hindurch sollten an der Seite dort, aber das kam nicht wirklich in Frage! Auf dem Rückweg drehten wir noch eine Runde auf dem zuvor durchquerten Teich, und als wir wieder am Kanuteich waren, erkundeten wir noch die andere Richtung, denn man gelangte dort zu einem weiteren Teich, an dem wir gestern schon ein Stück entlanggelaufen waren. Unterwegs hatten wir auch mit Baumstämmen zu kämpfen, aber dort konnten wir letztlich passieren. Wir sammelten nebenbei zwei Bierdosen und eine Plasteflasche ein, die irgendwelche Idioten dort hinterlassen hatten. Es sah dort aber überall so aus, als wäre schon eine ganze Weile keiner mehr dort gepaddelt. Wieder an Land räumten wir alles weg, suchten noch die Restrooms vor Ort auf – hier im Park alle sehr ordentlich – und gaben die Utensilien wieder ab. Ich durfte ein weiteres Mal in die Orangenschüssel greifen. Gegen halb elf hatten wir unser Abenteuer bestanden und düsten fort. Als Zwischenziel hatte ich das eindreiviertel Stunden entfernte Baton Rouge angepeilt. Auf dem Weg dorthin führte ein Großteil der Interstate-Autobahn übers Wasser. Die beiden Fahrbahnrichtungen standen jeweils auf Betonstelzen. Die Umgebung wirkte wie eine Waschküche, die den halben Staat einnimmt. Bayou halt. In Baton Rouge kauften wir zunächst ein, ehe wir in die Innenstadt fuhren, wo ich ein Restaurant ausgeguckt hatte, das wir aufsuchen wollten. Wir parkten auf dem Parkplatz der lokalen First Baptist Church in der Hoffnung, dort nicht abgeschleppt zu werden. Das Restaurant „The Gregory“ fanden wir nicht gleich, weil es innerhalb des Gebäudes einer Bank war. Es dient wohl in erster Linie den Bankern als Lunch-Location. Viel los war aber nicht trotz guter Bewertungen im Internet. Die Lunchkarte war überschaubar, bot aber ein sogenanntes Express-Lunch-Menü für 15 Dollar – das hörte sich gut an. Das Menü kam auf einem Teller, was die Portionsgröße ganz gut klar macht. Es gab zwei Suppen zur Auswahl, wir hatten uns für eine Fleischsuppe entschieden, einen Salat – eine kleine Beilage halt – als Hauptgericht Fisch oder Hühnchen – Miniportion, aber sehr lecker – und ein kleines Stück Pekan-Schoko-Kuchen als Dessert. Als Ganzes völlig genug, muss ich sagen, aber ich bin ja hier auch schmale Kost gewöhnt. Wir bummelten dann weiter zum Old State Capitol von Louisiana – nur dadurch kamen wir darauf, dass nicht New Orleans, sondern eben Baton Rouge die Hauptstadt von Louisiana ist! Das alte Capitol ist heute ein Museum mit freiem Zutritt, also schauten wir mal hinein. Es gab eine Audioführung zu dem Rundgang, so tauchten wir ein in Louisianas Geschichte, insbesondere in die unter der Führung von Huey Long, der einerseits viel für die Entwicklung der Infrastruktur sowie für das Bildungs- und das Gesundheitssystem getan hatte, ein Mann, der sich zuvor als Anwalt mit Ölkonzernen angelegt hatte und die Interessen der Armen vertreten wollte, andererseits hat er wohl mit diktatorischen Zügen regiert und die Staatsschulden von 11 auf 100 Millionen Dollar klettern lassen. Mit der Presse kam er auch nicht zurecht, weshalb er kurzerhand sein eigenes Blatt gründete ... Ein kontroverser Politiker also, der manches Gute hinterlassen hat, aber es auf rabiate und rücksichtslose Weise zu Wege gebracht hatte. Er wurde ermordet, was sonst. Danach war unser Bildungshunger erst einmal wieder gestillt, wir spazierten noch hinab zum Ufer des Mississippi, warfen aus der Ferne einen Blick auf das protzige neue State Capitol, das Long bauen ließ, dann wackelten wir zurück zum Auto, es stand noch da. Bis New Orleans fuhren wir noch anderthalb Stunden, durch ähnliche Landschaft. Alles Bayou hier. Es ging zuletzt sogar über eine Huey-Long-Bridge, passte alles zusammen heute. Halb fünf hatten wir den Bayou Segnette State Park – schon wieder Bayou - erreicht, der vom Stadtzentrum New Orleans durch den Mississippi abgetrennt ist. Überall standen große Pfützen, hier war ganz offensichtlich richtig Regen heruntergekommen. Gespannt näherten wir uns dem Campingplatz. Auf einem Pfosten mitten auf dem Platz saß ein großer Greifvogel, noch nicht identifiziert. Neben unserem Platz Nr. 6 stand schon ein Zelt – und zwar nicht auf der Wiese, die vielerorts mit Wasserpfützen gespickt war, sondern auf einem Holzdeck neben der asphaltierten Fahrzeugstellfläche. Großartige Idee in so einer Gegend, fanden wir und stellten unser Zelt natürlich auch auf ‚Stelzen’. Es wurde dann bald schummrig, weshalb wir zeitig (halb sechs) Abendbrot aßen, dazu mussten wir uns lange Sachen anziehen – wegen der hier deutlich aggressiveren und/oder zahlreicheren Mücken. Wir zogen uns anschließend flugs ins Auto zurück, in dem es aber bald so schwül-feucht war, das wir immer mal die Tür öffnen mussten. Da kam natürlich die eine oder andere Mücke hinein ... Morgen soll es nicht regnen, nur grau sein, aber die Temperatur soll von heute 25 auf morgen maximal 16 Grad fallen, diese Nacht soll es bis 13 Grad hinuntergehen, nächste bis auf sieben. Das ist für die Gegend sicher ‚kalt’, für uns aber warm genug. Und lange Hosen sind bei Mücken ohnehin angebrachter. Zudem mag ich diese feucht-warme, schwüle Luft mit gefühlt 100% Luftfeuchtigkeit nicht so wirklich, da kommt mir die Abkühlung ganz recht.

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