This is America - People and Places
Freitag, 15. November 2019
Am südlichsten Punkt
Donnerstag, 14.11.
Dem kurzen Schauer folgte ein heftiger Guss. Wir waren besorgt, wie es in unserem Zelt wohl aussehen mag, schauten aber erst nach, als wir zu Bett gehen wollten. Und überraschenderweise war es im Zelt trocken. Auf der untergelegten Plane hatte sich allerdings Wasser gesammelt, das darauf stand, weshalb wir sie unter dem Zelt hervorzogen und beiseite legten. Sie stand nämlich über an den Seiten. Hätte ich mit Regen gerechnet, hätte ich sie umgeklappt. Die Wettervorhersage passte sich stündlich dem Wetter an, lag aber ansonsten etwas daneben. Wir legten uns beruhigt ins Zelt, es schien ja mehr abzuhalten als gedacht, jedenfalls Niederschläge. Es regnete immer mal wieder bis zum Morgen. Da stellte sich dann heraus, dass es an den unteren Nähten hereintropfte, am Eingang hatte sich eine Pfütze gebildet, und meine Isomatte war von unten nass. Alles halb so wild. Beim Frühstück auf der überdachten Veranda – mal wieder ohne Müsli wegen vergorener Milch - sahen wir die neuesten Wettervorhersagen – es sah auf einmal gar nicht mehr gut aus. Nicht bloß Regen am Freitag. Die nächsten Tage sollten vor allem nicht nur Regen nach ganz Florida bringen, sondern auch stürmische Winde. Die Kombination hielt unser Zelt definitiv nicht aus bzw. wir nicht in dem Zelt, denn wenn sich nasse Zeltwände des Nachts auf einen legen, dann ist das bestimmt nicht mehr lustig. Für die nächsten zwei Nächte hatten wir keinen Campingplatz gebucht, weil der Platz in den Everglades, zu dem wir wollten, ohne Reservierungen läuft. Wir überlegten, ob wir die zwei Nächte im Auto schlafen. Das ginge sicher, wäre aber mit vorherigem umständlichen Umräumen verbunden – das will man in stürmischem Regen auch nicht unbedingt machen. Kurz und gut: Ich buchte uns ein Hotel in Homestead, das Floridian. Homestead liegt südwestlich von Miami (man merkt nicht, wann man Miami verlässt und in die nächste Stadt kommt, es geht alles ineinander über, weswegen wir gestern das Gefühl hatten, die Stadt nähme überhaupt kein Ende) und vor den Toren des Everglades National Parks. Jetzt gegen Ende meiner langen Reise und mit Helene an meiner Seite sitzt das Geld dann wohl doch etwas lockerer. Von Budgeteinhaltung kann keine Rede mehr sein, es kommt ein Extra zum Nächsten ... Jedenfalls beschäftigte uns das am Morgen eine Weile. Es regnete auch immer mal wieder etwas. In einer der Regenpausen bauten wir das Zelt ab, das nun nass im Auto liegt. Durch Regen starteten wir unsere Reise ans Ende der USA – nach Key West. Dort sollte es laut Vorhersage nicht regnen, aber der trauten wir nicht mehr so recht. Darin allerdings irrte sie nicht: Je weiter wir nach Südwesten fuhren, desto freundlicher wurde es. Die Fahrt von Insel zu Insel über unzählige Brücken und über schmale Landzungen war ein Erlebnis für sich. Dreiviertel zwölf hatten wir an der Battery Seminole in der Fort Street einen kostenlosen Parkplatz gefunden. Von dort aus erkundeten wir die Stadt. Wir liefen Richtung Whitehead St. und stießen so direkt auf das Haus, das ich hier gern besichtigen wollte. Helene wollte draußen warten, damit ich die 14 Dollar Eintritt pro Person für sie einspare, aber das fand ich keine gute Idee. Sie war dann auch ganz angetan von Hemingways Haus und Garten. Wir machten eine Führung mit, erfuhren so einiges Interessantes. Hängengeblieben ist zuvorderst, dass er ein Frauenheld war, Stift und Papier der Schreibmaschine vorzog, außer dem Schreiben gern fischte und Bars besuchte, es sich überhaupt ziemlich gutgehen ließ und dass er ein ziemliches Faible für Katzen hatte. Das Skurrilste daran war, dass er ihnen die Namen berühmter Freunde und Bekannter gab. Nach der Führung schauten wir uns noch eigenständig um und picknickten in seinem Garten mit Blick auf den Pool. Vom Hemingway-Haus liefen wir die Whitehead Street hinunter bis zum südlichsten „Festlandspunkt“ der USA – dort gab es eine Schlange zum Fotografieren. Weiter ging es zum südlichsten Haus, das Helene sehr gefiel, und zum South Beach mit kleinem Pier. Von dort bummelten wir die Duval Street, die bekannteste Straße der Stadt, hinauf bis zum Sunset Pier auf der anderen Seite. Es gibt hier schöne farbenfrohe Häuser, viele kleine Bars und Restaurants und Läden, dekoriert mit viel Grün, und Hühner. Denn die laufen hier vielerorts frei herum. Wir sogen die Atmosphäre in uns auf und merkten gar nicht, wie die Zeit verging. Über den Mallory Square und vorbei an einem Museum mit Schiffswrack-Exponaten gelangten wir wieder in die Whitehead St., deren anderes Ende wir nun abliefen – vorbei an einem eindrucksvollen Kapokbaum, ehe wir abbogen Richtung Auto. Als wir dort ankamen, war es schon viertel vier. Viel Zeit blieb nicht mehr. Zwei Alternativen standen im Raum: nochmal an einen Strand oder zum Sea Turtle Sanctuary. Letzteres kostet aber nicht nur 25 $ Eintritt pro Person, man soll auch Touren reservieren. Wir entschieden uns für einen Strandbesuch. In Marathon sollte es einen netten Strand geben, den Sombrero Beach, dorthin steuerten wir nun. Das war aber doch einige Meilen zu fahren, und das Wetter drohte uns einen Strich durch die Rechnung zu machen. Es regnete unterwegs. Es tröpfelte, als wir uns dem Strand näherten. Der Himmel sah sehr grau aus, aber es blieb trocken, während wir und dort niederließen und badeten. Helene war es ohne Sonne zu kalt, um ganz ins Wasser zu kommen, trotz 26/27 Grad. Der Wind war auch ein wenig frisch, ich blieb auch nicht lange drin. Dann legte der Himmel auch schon seine Abendgarderobe an, während auf der anderen Seite düsteres Grau aufzog. Wir trollten uns zum Auto und fuhren weiter. Wir verließen die Keys im Dunkeln. Viertel acht abends erreichten wir das Hotel, checkten ein, bezogen unser Zimmer, dann gingen wir zu Fuß auf der anderen Straßenseite (der Route 1) einkaufen, aßen Abendbrot – wir probierten auch mal ein Mikrowellennudelgericht aus, gar nicht so übel. Es ist spät geworden heute. Es ist gleich um elf, und für morgen steht noch nichts weiter fest, als dass wir in den Everglades-Nationalpark fahren und danach hierher zurückkehren werden.

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