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Samstag, 28. September 2019
Wüstenwind und Tal des Todes
Freitag, 27.9.
Ich war halb sieben wach, pünktlich zum Sonnenaufgang. Überhaupt habe ich mich in meinem Rhythmus schon arg der Sonne angepasst. Hoffentlich halte ich morgen einen langen Abend in Las Vegas durch, meine Buchung wurde bestätigt. Ich fuhr mal wieder ohne Frühstück los – in der Absicht, unterwegs eine gute Stelle zu finden. Ich hatte bei Google dieses Mal eine 5 Minuten längere, aber 10 Meilen kürzere Route ausgewählt, und so blieb ich auf der 178 East, auf der die Landschaft mit jeder Meile wüstenähnlicher wurde. Selbst die Palmen muteten in ihrer merkwürdigen Wuchsform eher Kakteen an. Und nach etlichen Meilen durch äußerst karge Landschaft kam ich in ein Städchen mit Flughafen: Inyokern. Am Ortseingang verkündet man dort stolz: 100 Meilen von jedem Ort. Das ist zwar nicht korrekt, beschreibt aber vorzüglich die Verlassenheit, die dieser Ort ausstrahlt. Obwohl es im gleich benachbarten Ridgecrest alles gibt, selbst ein Starbucks Café. Die Straße führte nun nach Trona, das laut Karte neben einem größeren See liegt. Aber davon sieht man nur eines: Salz. Welches Mineral genau, erfuhr ich erst später. Es wird dort wohl nach wie vor gewonnen. Der Ort sah ziemlich trostlos aus mit seinen Industrieanlagen und den kümmerlichen Häusern, und nach dem Ort wurde die Route 178 auch zur „rough road“, das heißt zu einer etwas holprigen Straße, die quer durchs Niemandsland verläuft. Und genau dort, mitten in der (noch kalifornischen) Wüste quasi, hielt ich am Straßenrand, holte meinen Campingstuhl raus und frühstückte. Aller fünf bis zehn Minuten kam mal ein Auto vorbei. Ansonsten war es dort herrlich ruhig, nur der Wind sorgte für wehende Laute. Die weite Wüstenlandschaft mag unwirtlich sein, aber sie hat auch so ihre Reize. Ich traf dann auf die 190 East, die ins Death Valley hineinführt, dort war dann mehr los. Um ins Tal des Todes zu gelangen, muss man zunächst einige Höhenmeter hinauf, ehe es hinab ins Tal geht. Mit dem Auto hindurchzufahren, ist ein Spaß, schon wegen der Straße, die größtenteils schnurgerade ist und nette Senken und Buckel aufweist. Aber wenn man sich dann vorstellt, wie es gewesen sein muss, hier mit Pferde- oder Eselskarren langzuziehen, dann wird einem klar, wie der Name entstand. Es ist ja nun schon Ende September, aber immer noch ziemlich heiß in dem Kessel. Ich lief nur hundert Meter zu den Sanddünen, da merkte ich schon, dass es nicht nur die Hitze an sich ist, sondern auch die sandige-trockene Luft, die man atmet und die absolute Abwesenheit von Schatten. Manche Leute liefen mit Regen- bzw. Sonnenschirm herum, das war angesichts der kurzen Strecken dort aber übertrieben. Ein zweites Mal hielt ich in der Nähe einer mineralischen Fläche – sie schimmerte so hell in der Sonne, dass es von weitem aussah, als wäre dort Wasser. Und tatsächlich gab es dort einige winzige Rinnsale! Sie schimmerten aber nicht. Wenig später erfuhr ich am nächsten Halt, dass dort im Tal früher Borax, das weiße Gold der Wüste, gewonnen wurde. Keine Ahnung, was das für ein Salz ist, ich habe gerade mal wieder kein Netz. Aber es ist offenbar nützlich für Schmiede, Töpfer, Milchbauern und Hausfrauen gleichermaßen. Man hat dort auch einige Reste früherer Anlagen – das Salz wurde gleich vor Ort von anderem Material getrennt - und Transportmittel ausgestellt. Angenehme Abwechslung, so ein bisschen Industriegeschichte. Am Zabriskie Point war mächtig was los, dort pilgerten ganze Busladungen zum Aussichtspunkt hinauf. Man kann dort auch ein paar Meilen durch die Badlands (ein Sammelbegriff) laufen, aber darauf hatte ich bei der Hitze keine Lust, auch wenn das Thermometer in meinem Auto nur 34 Grad anzeigte, es kam mir heißer vor. Der Ausblick auf die bizarr geformten Sandstein- und Schluffsteinformationen, die einst von Wasser und Erdbeben geschaffen worden waren, erinnerte schon etwas an den Badlands Nationalpark, in dem wir mit Familie 2016 waren. Die Farbgebung ist hier aber eine andere, es überwiegen gelb, braun, beige. Wären dort nicht so viele Leute gewesen, hätte man bestimmt auch dort die ungewöhnliche Stille hören können, die ich beim Frühstücken erlebt hatte. Da ich wieder früh aufgebrochen war, hatte ich bereits viertel eins Furnace Creek erreicht gehabt, und auch wenn es (noch) nicht so heiß war wie angedroht, hatte ich ohnehin keine Lust, dort über Nacht zu bleiben. Ich hatte mir den Fletcher View Campground im Fletcher Canyon nahe Mount Charleston herausgesucht. Dorthin steuerte ich nun, tankte unterwegs, dann ging es wieder in die Berge hinauf über die 156 und 158. Es gab einen schönen Wüstenausblickspunkt unterwegs, die Gegend gefiel mir auch fantastisch, es war hier in der begrünten Höhe auch weniger heiß. Halb vier war ich da, aber der Platz war voll. Ach ja, es war ja schon wieder Freitag. Und nah an Las Vegas heran war ich jetzt auch. Hätte ich mir vielleicht denken können. Aber da ich zuletzt so viel Freiraum auf Campingplätzen gesehen hatte, war ich nicht darauf gekommen. Pech. Das war zu schade, denn ich hätte dort noch schön eine kleine Wanderung machen können. Stattdessen googelte ich nach anderen Plätzen Richtung Vegas und kam so auf den Red Rock Campground. Um zu dem zu gelangen, musste ich schon am Rand von Las Vegas entlangfahren, flutschte aber gut. Der Platz war ist alles andere als idyllisch, ein Wüstencampingplatz. Dazu hingen überall Reserviert-Schilder. Zum Glück traf ich bei meiner Suche auf den Campingplatzwärter, der hierzulande als „host“, also Gastgeber, bezeichnet wird. Der wies mir ein Plätzchen zu, und ich lernte – immer gucken, was auf den Schildern genau steht, zum Teil werden sie schon eine Woche vorab aufgehängt ... Nach Erledigung aller Formalitäten aß ich wieder zeitig Abendbrot, mit der Sonne und dem beständigen, teilweise aufbrausendem Wüstenwind im Gesicht. Mittlerweile ist die Sonne hinter dem Berg verschwunden, und es kommt mir in dem Windzug richtig frisch vor.

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