This is America - People and Places
Donnerstag, 3. Oktober 2019
Am höchsten Punkt trotz Felsensturz
Mittwoch, 2.10.
Heute stand ich nicht um fünf auf, sondern halb sieben. Als ich kurz vor sieben losfuhr, zeigte mein Autothermometer minus eins an. Am Besucherzentrum im Zion-Nationalpark war der Parkplatz schon fast voll, als ich halb acht da ankam, aber ich fand noch problemlos einen Platz. Ganz schön viel los für diese Jahreszeit. Ich frühstückte im Auto, es war einfach zu kalt. Gestern hatte ich ein am Vorabend vorbereitetes Sandwich gefrühstückt, heute gab es wieder das Übliche: Müsli mit Milch, Vollkorntoast mit Butter und Marmelade. Unterwegs esse ich dann meistens Banane, Apfel, Riegel, Kekse. Viertel/halb neun herum machte ich mich auf die Socken, ich folgte dem Watchman Trail. Der Watchman ist ein markanter Berg/Fels im südlichen Teil des Canyons, also dicht am Visitor Center. Zunächst lief ich aber am Fluss entlang und überquerte die Straße. Allzu hoch hinauf ging es dann nicht, kein Vergleich zu gestern. Es war vergleichsweise wenig los auf dem Weg dafür, aber das lag wohl hauptsächlich an der frühen Tageszeit. Oben gab es noch eine kleine Schleife, die man drehen konnte, und nach Absolvierung dieser machte ich es mir mit Aussicht ins Tal bequem. Ich wollte es heute deutlich ruhiger angehen lassen, denn mein linker Spann zwickt seit gestern früh. Das rechte Knie hat sich gestern zwischenzeitlich auch bemerkbar gemacht (ausgerechnet beim Abstieg vom oberen Teil von Angels Landing), aber den Protest dann wieder eingestellt. Als ich wieder unten war, stand gerade ein Shuttle bereit, also spurtete ich hin und hinein. Dabei vergaß ich dummerweise mein Tracking abzustellen, Komoot hat aus meiner Wanderung dann auch gleich mal „Laufen“ gemacht ;) Ich steig am letzten Haltepunkt aus. Dort gibt es den Riverside Trail, ein asphaltierter Wanderweg am Fluss entlang in die enger werdende Schlucht hinein. Nicht lang, nicht schwer. Man kann, und das hatten mir Andy, Steffen und der Ü-60-er empfohlen, den Weg in die engere Schlucht fortsetzen. Der Weg heißt entsprechend „The Narrows“. Er hat aber einen entscheidenden Nachteil: Man muss durchs Wasser laufen, aber in echt jetzt und nicht nur scheinbar übers Wasser, anfangs nur knöcheltief, später hüfttief, wenn man ganz bis zum Ende will, muss man wohl sogar schwimmen. Na danke! Ich schlafe hier bei Nachtfrost und freue mich über jeden warmen Sonnenstrahl am Tag (und da wird es zum Glück auch bis 20/21 Grad warm)! Da laufe ich nicht durch eiskaltes Wasser in eine schattig-kühle Schlucht! Schon gar nicht hüfttief. Bekäme meiner kälteempfindlichen Blase so gar nicht. Es gab trotz der Jahreszeit etliche Leute, die das angingen. Fast alle trugen aber spezielle Schuhe mit Neoprenstutzen und waren mit Stöcken ausgerüstet. Das richtige Equipment sollte man dann haben, ja. Aber wie gesagt, das kam für mich nicht in Frage. Stattdessen setzte ich mich an einer sonnigen Stelle ans Ufer des Flusses und träumte eine dreiviertel Stunde lang vor mich hin. Nach dem Trail ging es zurück zum Parkplatz, ich wollte unterwegs noch den Canyon Overlook Trail gehen (auch kurz), aber es war dort kein Parkplatz frei, also fuhr ich weiter zu meinem Abschlusshighlight. Ich wollte zum Observation Point. Normalerweise gibt es einen Weg dorthin von der „Weeping Rock“-Haltestelle aus, der 13 km lang ist, 655 m in die Höhe geht und als anstrengend eingestuft ist. Aber alle Wege von der Haltestelle aus sind gesperrt. Der Bus fährt sie gar nicht mehr an. Gesperrt ist auch untertrieben, es gibt sie nicht mehr. Anfang September hatte es dort einen riesigen Felssturz gegeben, der alle Wege verschüttet hat. Davon soll es sogar ein Youtube-Video geben, das Leute von Angels Landing aus aufgenommen haben. Die haben bestimmt mächtig gezittert, dass es bei ihnen nicht auch anfängt zu bröckeln. Es ist aber niemandem etwas passiert. Wenn man so was hört, bleibt man dann wirklich immer brav auf dem Wanderweg und hält sich vom Kantenrand fern. Ich kam aber trotzdem zum Observation Point, denn es gibt einen anderen Weg, der dorthin führt. Der ist nicht auf der Nationalparkkarte benannt, denn er beginnt außerhalb – und zwar unweit meines Campingplatzes. Von dort aus muss man nur die unbefestigte Straße weiterfahren, dann kommt man zum Wanderweg, ist auch ausgeschildert. Der letzte Abschnitt der Straße ist dann aber ziemlich ausgefahren mit tiefen Spurrinnen und tiefen Löchern – nichts für Straßenflitzer. Mein Ford Flex war da aber ganz in seinem Element. Kurz nach drei stiefelte ich los, 3,5 Meilen sollten es sein, 5,7 km waren es, passt so ungefähr. Bequemer Weg. Ich erfreute mich am Hämmern der Spechte, das hier anders klingt, irgendwie ulkig. Überhaupt gibt es viele ungewohnte Geräusche, Vögel, Insekten usw. Je näher ich dem Ziel kam, desto öfter erhaschte ich einen Talblick, aber der weiteste und umfassendste, den man hier haben kann, ist der vom Observation Point. Man blickt von dort sogar hinab auf Angels Landing, was einem die Möglichkeit gibt, mal zu sehen, wo man da eigentlich entlanggelaufen ist – da schauert es einen im Nachhinein. Ich verbrachte da oben auch eine Dreiviertelstunde, quatschte erst mit den anderen dort, wurde dann zunehmend bedrängt von bettelnden Chipmunks (ich aß dort Studentenfutter), die so frech waren, dass sie an meinem Rucksack hochkletterten, schließlich sogar auf meinen Rücken! Und dann sprang einer von einem nahen Felsen auch noch auf mein Knie, dicht neben die Tüte! Dann packte ich sie weg. Sie versuchten doch glatt, an die Tasche heranzukommen. Die armen Tiere können ja nichts dafür. Sie werden von unbelehrbaren Touristen gefüttert (obwohl das sogar unter relativ hoher Strafe steht), und sicher fällt auch öfter versehntlich was runter. Aber man kann es da oben gut und gerne länger aushalten. Sonnenauf- und –untergang sind dort sicher der Hit. Ich jedoch hätte keine Lust, den Weg dahin oder davon zurück im Dunkeln zu laufen. Ich war 18:20 Uhr wieder am Auto, fuhr zurück zum Campingplatz bzw. direkt zum Restaurant des Ferienresorts, denn ich wollte mir heute Abend ein ordentliches Dinner gönnen. Ließ das Budget auch zu. Es gab entweder Pizza oder Buffet. Letzteres bedeutete, dass man aus der Karte etwas auswählen musste und dazu sich am Salatbuffet bedienen konnte. Ich wollte Rumpsteak! An der Salatbar gab es aber viel mehr als Salat, dort konnte man sich den Teller auch mit Kartoffelzubereitungen, Gemüse, Hühnchen und Pulled Pork befüllen – hungrig geht da keiner raus, damit werben sie, und Recht haben sie. Ich hatte so einen Heißhunger, dass ich mir ordentlich den Bauch vollschlug. Dazu reichlich Wasser und ein IPA, keine Ahnung, wie das alles reingepasst hat. Leider schaffte ich es nicht, meine Handyfotos hochzuladen (als Sicherung), dauerte alles ewig, gab das WLAN nicht her. Es ist morgens auch schneller als abends, weil da die Nutzungsfrequenz geringer ist. Aber morgens ist es kalt ... Mittlerweile ist es hier auch schon wieder kalt, aber das Auto speichert ja doch etwas Wärme. Mir frieren jedenfalls beim Tippen nicht die Finger ab.

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