This is America - People and Places
Sonntag, 6. Oktober 2019
Sleepy Hollow
Sonnabend, 5.10.
Man könnte ja meinen, dass ich nach dem anstrengenden Wandertag todmüde in den Schlaf gesunken bin, aber ich hatte Einschlafprobleme. Am frühen Morgen musste ich meinen Schlafsack mal wieder ganz eng zuziehen, die Kälte biss in meine Nase, denn die musste ja draußen bleiben. Ich hatte wieder Eis innen an der Fensterscheibe. Es waren bestimmt so 4 Grad minus am frühen Morgen. Da tut eine heiße Dusche wirklich gut, auch wenn ich so dick eingemummelt war, dass ich nicht gefroren habe, von der Nase mal abgesehen. Meine Lippen vertragen den Heiß-Frost-Wechsel nicht so gut, ansonsten komme ich prima klar. Ich war spät aus dem Schlafsack gekrabbelt, und um acht waren auch noch minus zwei Grad. Da fuhr ich vor zum Laden mit Tankstelle, alles eins hier, um mir einen Kaffee zu holen. Den trank ich drinnen, während ich surfte. Ich rief auch Alamo an. Ich hatte eine Rechnung wegen der Maut der Golden-Gate-Bridge plus diverser Gebühren (ist so eine absichtliche Touri-Falle mit der Mautbezahlung dort in San Francisco, glaube ich) bekommen, mit der ich kein Problem hatte, aber die Abbuchung von meiner Kreditkarte war das Siebenfache, da muss man schon mal nachfragen. Es stellte sich heraus, dass mein Upgrade monatlich gebucht wird, das war gar nicht für die Mautsache. Beruhigend. Ich kam sann relativ spät los, unterwegs stoppte ich noch zum Einkaufen, habe jetzt auch neue Badelatschen. Mittags erreichte ich den Capitol Reefs National Park. Beinahe hätte ich State Park geschrieben. Liegt daran, dass der Park einfach mal alles andere als spektakulär ist. Er liegt halt auf der Strecke. Ich ließ mir im Besucherzentrum eine Karte aushändigen, einen Wanderweg empfehlen wollte man mir dort nicht, es käme immer darauf an, was man wolle, ich solle mir die Vorschläge auf der Karte anschauen. Wahrscheinlich ist es auch egal, welchen Weg man da geht. Aber nur Durchfahren, das widerspricht meinem vom deutschen Dichterfürsten übernommenen Motto: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen.“ Ich entschied mich für „Capitol Gorge“, man läuft da in eine Schlucht hinein. Es soll dort irgendwo uralte Indianerzeichnungen an den Felsen geben, die sind aber nicht markiert, und ich habe dort nur neuzeitliche gesehen, davon reichlich. Zu entdecken gibt es außerdem diverse Löcher in den Felsen und Blumen am Wegesrand, bestaunen kann man die hohen Felswände der Schlucht. Man kommt schließlich zum Fuße eines Kletterweges zu den „water tanks“, weiter oben gelegenen natürlichen Wasseransammlungen. Natürlich stieg ich hoch, auch wenn klar war, dass angesichts der Jahreszeit wenig Wasser da sein würde. Manche Pools waren komplett leer, manche enthielten eine Pfütze Wasser. Ganz ganz oben soll noch einer sein, bis zu dem ich nicht ganz vordrang, weil absolut kein Weg mehr auszumachen war und ich keine Lust hatte, mich an schrägen Felswänden entlang vorzutasten. Da gehe ich lieber auf Nummer sicher, genieße kurz die Aussicht und klettere wieder hinunter. Ein Ranger, den ich dann traf, meinte, da oben sähe es auch nicht anders aus, zu trocken. Vom Fuße des Klettersteigs aus lief ich weiter in die Schlucht hinein, aber das hätte ich mir sparen können, denn sie wurde immer langweiliger, das beste Stück war das bis zum Kletterpfad. Ich kehrte irgendwann um. Mir reichte die Runde für heute. Unterwegs gab es dann doch noch Indianerzeichnungen zu sehen, wobei Zeichnungen nicht ganz richtig ist, denn es sind Petroglyphen, in den Stein gehauene bzw. gemeißelte Bilder. Am Startpunkt zum Pfad zur Hickman-Bridge kam ich noch einmal ins Überlegen, aber ich hatte einfach keine Lust mehr, noch einmal loszulatschen. Stattdessen fuhr ich weiter gen Osten aus dem nicht allzu großen Park Capitol Reef heraus und steuerte den Zeltplatz an, den Andy (auch aus meiner Abiklasse) mir empfohlen hatte. Ich hatte den Platz vorab selbstverständlich auch gegoogelt. Wenn ihr die Fotos seht und den Namen lest, werdet ihr denken, oh nein! Aber wie so oft im Leben täuscht der äußere Schein. The „Sleepy Hollow“ (für die Nicht-Cineasten: ein bekannter Horrorfilm mit einem kopflosen Reiter, der wahllos mordet) ist ein idyllisches Plätzchen mit Bäumen, Bänken, einem sauberen Sanitärtrakt mit Warmwasser und Duschen. Etwas abschreckend wirkt das verkommene Schild am Eingang allerdings schon, ebenso die verschlossene Schranke. Das öffentliche Telefon am Haus, das man benutzen soll, um anzurufen, weil es hier kein Netz gebe, sieht auch sehr altertümlich aus, und als ich den Hörer abnahm und wählte, dachte ich schon einen Moment lang, ich sei „im falschen Film“ ... Aber eine nette Stimme am anderen Ende, meinte, es dauere nur eine Minute und er sei da. Und so war es auch. Der Zeltplatzbetreiber kam mit einem Quad vom gegenüber liegenden Grundstück. Ich bezahlte nur zehn Dollar. Ich wurde eingeladen, mich aus Kisten mit Äpfeln, Birnen und Pflaumen zu bedienen, dann bekam ich den Code für den Sanitärtrakt und mir wurde die Schranke aufgemacht. Ich griff die Gelegenheit beim Schopfe und befragte den Betreiber, wie er dazu gekommen sei und ließ ihn mir seine Campingplatz-Geschichte erzählen. Forrest versicherte mir, dass ich hier sicher sei ;) Mittlerweile ist es dunkel draußen, ich bin immer noch die Einzige hier. Ich schaue gleich mal, wie toll der Sternenhimmel aussieht.

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