This is America - People and Places
Sonntag, 27. Oktober 2019
Ein tierischer Tag
Sonnabend, 26.10.
Es lag sich ganz gut im Zelt, auch wenn ich der Länge nach geradeso reinpasse. Nachts hörte ich wieder mal seltsame hochtönige Tiergeräusche, die ich nicht zuordnen konnte. Wir waren früh wach (viertel sieben), kamen schon halb acht los. Zunächst waren mehr als drei Stunden Fahrt angesagt. Helene freute sich über die wechselnde Landschaft, ich freute mich, dass ich es vor dem Grand Canyon noch schaffte, preiswert zu tanken. Vor elf erreichten wir den Mather Campground am South Rim der großen Schlucht, zu früh zum Platz beziehen, er war noch belegt. Also fuhren wir zum nahegelegenen „Market Plaza“, wo ein großer Parkplatz war, ein Laden, ein Restaurant, eine Shuttlebus-Haltestelle – und WiFi. Netz gibt es hier leider nicht. Wir beschlossen, mit dem Shuttle zum Visitor Center zu fahren und von dort aus auf dem Rim Trail, also am Rand des Canyon entlang zurückzulaufen. Der Weg bot uns verschiedenste Ausblicke, ein „Mexican Jay“, so heißen die Vögel mit den schönen blauen Flügel, glaube ich, flatterte uns auch mehrfach über den Weg, und nach knapp 5 km hatten wir alle Aussichtspunkte abgelaufen und waren wieder am Auto. Es war erst viertel zwei, wir konnten uns also noch etwas vornehmen. Dieses Mal nahmen wir das Auto und fuhren hinter zum Ausgangspunkt des „Bright Angel Trail“. Wir fanden dort auch einen Parkplatz. Am Startpunkt des Weges fanden wir heraus, dass dieser Weg bis tief in den Canyon hineingeht, bis zum „Indian Garden“ waren es 7,2 km, bei einem Höhenunterschied von 925 m, die Strecke war als anstrengend klassifiziert und man sollte dafür 6 bis 9 Stunden einplanen. Kam natürlich nicht in Frage. Nicht nur, weil es schon zu spät dafür war. Das 3-Mile Resthouse war auch noch 4,8 km entfernt und 645 Höhenmeter waren zu überwinden, der Weg dorthin war als sehr schwierig eingestuft und man sollte 4-6 Stunden einplanen. Es war halb zwei. Dreiviertel sechs geht die Sonne unter. Ging also auch nicht. Und hätte ich Helene am ersten Wandertag auch nicht zumuten wollen. Das wäre auch für mich am ersten Tag nichts gewesen. Blieb als potentielles Ziel das 1 ½ -Mile Resthouse. Wie der Name schon sagt, waren anderthalb Meilen bzw. zweieinhalb Kilometer hinabzusteigen – und eben dann auch wieder hinauf. 330 Meter Höhenunterschied (112 Treppen) überwindet man dabei, auch hierfür sollte man 2-4 Stunden einplanen, Klassifizierung: schwierig. Helene wollte das machen. Ich musste sie beim Abstieg ausbremsen, da war sie mir zu schnell. Das Besondere beim Abstieg war ein tierisches Erlebnis: eine Bergziege und ein Bergziegenbock mit geschwungenem Horn kreuzten mehrfach den Weg, direkt vor und hinter uns, es war atemberaubend mit anzuschauen, wie sich diese Tiere im Gelände bewegen! So was von halsbrecherisch, unglaublich! Wir durchliefen zwei kleine Tunnel, es ging immer steiler bergab, dann ließ die Steigung nach, und wir erreichten das angestrebte Ziel. Ich drang dort auf eine Pause mit Stärkung, ehe wir wieder hinaufstiegen. Das war dann auch atemberaubend. Helene machte sich Gedanken, sie würde mich zu sehr ausbremsen und wollte mich quasi vorschicken, dabei war ich froh, mit ihr zusammen dort hinaufzusteigen, wie schnell und mit wie vielen Pausen, war völlig egal. Ich bin froh, dass ihr der Tag trotz dieser Anstrengung sehr gefallen hat. Nach der Wanderung ging es zum Zeltplatz, wir bauten unser Zelt auf, räumten die Isomatten hinein – die Schlafsäcke wollten wir bis zum Schlafengehen im warmen Auto lassen. Dann aßen wir ein frühes Abendbrot, denn wir hatten zum einen Hunger, zum anderen wollten wir zum Sonnenuntergang noch einmal am Rand der Schlucht sein. Dazu fuhren wir wieder vor zu dem Parkplatz und liefen dann Richtung Schlucht, allerdings nicht den richtigen Weg. Das Quer-durch-den-Wald-Laufen hatte aber einen entscheidenden Vorteil: Tiere! Helene entdeckte sie. Zwei riesige Exemplare. Ich sage mal, riesige Hirsche. Es können Elche gewesen sein. Kein Geweih. Deshalb schwierig. Die waren jedenfalls beeindruckend. Danach sahen wir auch noch eine Herde normaler Hirsche mit Jungtieren dabei, die waren dagegen winzig. Wir schafften es trotz dieses kleinen und erfreulichen Umweges, vor Sonnenuntergang am Rand der Schlucht zu sein. Wir liefen noch ein Stück daran entlang, bis wir ein herrliches Plätzchen zum Verweilen und Genießen gefunden hatten. Auf dem Rückweg nutzten wir noch das WLAN, dann fuhren wir zurück zum Campingplatz. Halb sieben war es dann schon stockfinster. Wir hatten einen wunderschönen Tag bei angenehmen Temperaturen. Heute Nacht soll diese hier aber auf bis vier Grad zurückgehen.

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Letzte Aktualisierung: 2019.11.21, 17:35
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